Aktualisiert 22.02.2019 14:09

Neue Technologie

Geht 5G jetzt plötzlich ohne neue Antennen?

Der Mobilfunkstandard 5G kommt schneller als gedacht in die Schweiz. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

von
V. Blank
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Für den Moment legt Sunrise bei der 5G-Offensive den Fokus auf die suburbanen und ländlichen Gegenden.

Für den Moment legt Sunrise bei der 5G-Offensive den Fokus auf die suburbanen und ländlichen Gegenden.

Das Telekom-Unternehmen lanciert als erster Anbieter das Programm «5G for People». Im Bild: Ein Sunrise-Shop in Glattbrugg.

Das Telekom-Unternehmen lanciert als erster Anbieter das Programm «5G for People». Im Bild: Ein Sunrise-Shop in Glattbrugg.

Keystone/Ennio Leanza
Ab Mitte März können rund 100 Privat- und Geschäftskunden 5G nutzen, und zwar in ...

Ab Mitte März können rund 100 Privat- und Geschäftskunden 5G nutzen, und zwar in ...

Keystone/Ennio Leanza

Sunrise eröffnet das Rennen um den 5G-Ausbau. Bis Ende März bringt der Telecomanbieter die neueste Mobilfunkgeneration in 150 Orte. Ab Mitte März könnten die ersten ausgewählten rund 100 Privat- und Geschäftskunden 5G nutzen.

Baut Sunrise für den Ausbau jetzt neue Antennen? Und was macht die Konkurrenz? 20 Minuten liefert die wichtigsten Antworten:

Ich will mit 5G surfen. Brauche ich dafür ein neues Smartphone?

Ja. Derzeit gibt es zwar noch keine 5G-Smartphones auf dem Schweizer Markt, doch das dürfte sich bald ändern: Samsung hat soeben angekündigt, das neue 5G-fähige Smartphone S10 Mitte Jahr auf den hiesigen Markt zu bringen. Weitere Anbieter dürften folgen: «In der Branche erwartet man, dass bis Ende Jahr verschiedene Hersteller 5G-Smartphones anbieten werden», sagt Telecom-Experte Ralf Beyeler von Moneyland.

Was kann 5G mehr als 4G?

Simpel ausgedrückt: 5G ist einfach schneller. Das Netz kann effizienter benutzt werden, die Ladezeiten sind kürzer und es sind mehr gleichzeitige Verbindungen auf verschiedenen Geräten möglich. «Für den einzelnen privaten Kunden bietet 5G gegenüber 4G aber keinen wesentlichen Vorteil», sagt Beyeler.

Wie will Sunrise 5G anbieten, ohne neue Antennen zu bauen?

Für den Moment legt Sunrise bei der 5G-Offensive den Fokus auf die suburbanen und ländlichen Gegenden. Dort habe das Unternehmen noch freie Kapazitäten auf den Antennen, sagt Sunrise-Chef Olaf Swantee zur Nachrichtenagentur AWP. Ein Sunrise Sprecher erklärt: «In den ländlichen Gegenden nutzen weniger Leute gleichzeitig das Internet, darum haben wir dort mehr Reserven, um 5G-Frequenzen aufzuschalten.» Der Branchenverband Asut geht davon aus, dass für eine rasche Einführung von 5G in der Schweiz 15'000 zusätzliche Antennen gebaut werden müssen.

Die 5G-Standorte von Sunrise.

Und was ist mit den Schweizer Städten?

Dort könne man «kaum noch ausbauen», sagt Swantee. Der Grund: In den grossen Städten seien bei vielen Standorten die Kapazitäten schon zu 90 Prozent ausgelastet. Wegen der Schweizerischen Strahlenschutzverordnung ist eine intensivere Nutzung der Antennen nicht möglich. Am Plan, künftig auch grössere Städte wie Zürich, Basel oder Genf auf 5G aufzurüsten, hält Sunrise aber fest.

Was macht die Konkurrenz?

Salt plant die Einführung der 5G-Technologie im dritten Quartal 2019, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagt. Swisscom plant, bis Ende Jahr 60 Städte und Gemeinden punktuell mit 5G zu versorgen.

Wie teuer werden 5G-Abos?

Bei Sunrise gibt es die 5G-Option für zusätzliche 10 Franken monatlich. Bei Swisscom werden Kunden mit inOne mobile go für 5G freigeschaltet. Für 10 Franken zusätzlich zum Abopreis gebe es «zusätzlich den vollen Speed», wie eine Sprecherin erklärt. Von Salt gibt es noch keine Informationen zu den Preisen von 5G-Abos.

Sunrise: CEO Swantee über 5G

Der CEO von Sunrise, Olaf Swantee, gibt über das geplante 5G-Netz Auskunft. (Video: 20 Minuten)

Sunrise-CEO Olaf Swantee schloss schon im Livechat mit 20 Minuten nicht aus, dass die Kosten, die Sunrise durch den 5G-Ausbau entstehen, die Preispolitik der Abos beeinflussen werden.

Muss ich mich wegen 5G vor vermehrter Strahlung fürchten?

Nein, sagt Strahlungsexperte Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut zu 20 Minuten: «Eine 5G-Antenne strahlt stärker als ein Handy, aber wir drücken weder unser Ohr an eine solche Antenne noch halten wir sie in der Hand.» Deshalb stamme die vom Körper absorbierte Strahlenbelastung vor allem von Geräten, die eng am Körper betrieben werden. Zudem bleiben die Grenzwerte des Bundes laut Bundesamt für Kommunikation (Bakom) für die Strahlenbelastung auch mit 5G unverändert und werden momentan von einer Arbeitsgruppe überprüft.

Und was sagen 5G-Kritiker?

Derzeit ist im Nationalrat eine Petition der IG Hadlikon hängig, die fordert, dass der Bund keine Konzession für 5G vergibt, bis eine Risikobeurteilung zur Strahlenbelastung vom Bundesamt für Umwelt vorliegt. «Mich wundert schon, dass die Kommunikationskommission jetzt hingeht und einfach die Konzessionsvergabe durchdrückt», sagte Kathrin Luginbühl, Mitglied des Petitionskomitees, Anfang Februar zu 20 Minuten. Damit ignoriere der Bund die Bedürfnisse von elektrosensiblen Menschen in der Schweiz und Forschungsergebnisse aus dem vergangenen Jahr, die darauf hindeuten, dass die Strahlung das Risiko für Hautschäden und Krebs erhöhen könnte. «Wir sind enttäuscht, dass sich der Bund den Interessen der Wirtschaft beugt», sagt Luginbühl.

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