Finanzkrise: Geht es der UBS bald ans Eingemachte?
Aktualisiert

FinanzkriseGeht es der UBS bald ans Eingemachte?

Das Ende von Lehman Brothers radiert erstmals Guthaben von Gläubigern aus. Bisher mussten nur Aktionäre und der Staat bluten. Das Reinemachen im Finanzmarkt bedroht die geschwächte UBS wesentlich stärker als die CS.

von
Lukas Hässig

Minus 3,5 Prozent beim Leitindex der Schweiz, minus 3 Prozent in Deutschland und England, und überall sind es die Finanztitel, welche die Kurse in die Tiefe ziehen.

Die Aktien der UBS verloren am Montagnachmittag zwischendurch über 20 Prozent, bevor sie sich bei minus 15 Prozent und rund 20 Franken einpendelten. Ebenfalls stark Federn lassen mussten die Titel des Versicherers Swiss Re und der zweiten Grossbank CS. Auch im Ausland verloren die Banken an Terrain, die Deutsche Bank lag rund 7 Prozent im Minus, die englische Barclays knapp 10 Prozent.

Das Motto für die Banken: Rette sich, wer kann

Das Verdikt der Börse besagt, dass für die globalen Finanzriesen noch kein Ende der Krise in Sicht ist. Rette sich, wer kann, heisst vielmehr das Motto.

So befürchtete die drittgrösste Investmentbank Merrill Lynch einen Kollaps à la Lehman Brothers, die heute ihren Konkurs bekannt geben musste. Merrill Lynch zog die Notbremse und verkaufte sich zu einem relativ tiefen Preise an die grosse Bank of America.

Schweizer Grossbanken sind Teil eines Rettungspools

Sowohl CS als auch UBS sind im turbulenten US-Markt stark engagiert. Entsprechend gehören sie zu einem Verbund von zehn Banken, der 70 Milliarden Dollar für Notfälle bereitstellt. Ist eine der Banken in den nächsten Tagen und Wochen dringend auf zusätzliche liquide Mittel angewiesen, hat sie Anspruch auf gut 20 Milliarden aus dem Pool.

Zusätzlich pumpt die europäische Zentralbank fast 50 Milliarden Franken ins Finanzsystem, rund 10 Milliarden Franken schiesst die englische Notenbank ein.

CS bleibt bei der Onebank-Strategie

Wie stark die staatlichen Hilfsaktionen zusammen mit der Solidaritätsaktion der grössten Banken den am stärksten angeschlagenen Instituten helfen, muss sich weisen. Nach relativ geringen Subprime-Verlusten will die CS ihre Strategie als Onebank aus einer Position der Stärke weiterführen. Ihr Aktienkurs leidet ebenfalls unter der Krise, aber weniger stark als jener der UBS.

Diese hatte per Mitte Jahr immer noch gut 50 Milliarden Dollar gefährdete US-Kredite in ihrer Bilanz, knapp die Hälfte des ursprünglichen Bestandes von Ende 2007. Angesichts der wieder akuten Krise sind weitere Milliardenabschreiber zu erwarten. Die «SonntagsZeitung» rechnete am Wochenende mit Wertberichtigungen von nochmals 5 Milliarden Dollar.

Die UBS sucht vorerst kein frisches Kapital

Problematisch ist, dass es für die UBS immer schwieriger wird, frisches Kapital aufzutreiben, sollte dies nötig werden. Davon will die Bank vorerst nichts wissen und verweist auf ihr Eigenkapital, das nach zwei Erhöhungen von fast 30 Milliarden Franken gross genug sei, um die derzeitigen Erschütterungen abzufedern.

In ihrem Halbjahresbericht wies die UBS eine Kernkapitalquote, das so genannte Tier-1-Rating, von über 11 Prozent aus. Die Zahl stellt das Eigenkapital ins Verhältnis der Risiken. Das Tier-1 der UBS ist im internationalen Vergleich relativ hoch.

Weitere Abschreibungen in der Investmentbank und weniger Gewinn in der nach wie vor rentablen Vermögensverwaltung könnten aber die Kernkapitalquote wieder unter 10 Prozent drücken, wie das vor den zwei Kapitalerhöhungen vom Frühling der Fall war. 10 Prozent bezeichnete die UBS-Führung als Grenze, die sie nicht unterschreiten will.

Eine dritte Kapitalbeschaffungsrunde – bei Staatsfonds in Asien oder bei allen Aktionären via allgemeine Kapitalerhöhung – ist nicht wahrscheinlich. Nach den erlittenen Kursverlusten wollen die bisherigen Aktionäre kaum weiteres Risikokapital einschiessen, und neue Aktionäre im grossen Stil vom eigenen Geschäftsmodell zu überzeugen, wird für die UBS-Führung schwierig.

Nächste Stufe: Verkauf des UBS-Tafelsilbers

Zur Stärkung ihrer Kapitalbasis hat die UBS möglicherweise bald keine andere Wahl mehr, als mit dem Verkauf wertvoller Unternehmensteile zu beginnen. Die Grossbank könnte insbesondere ihre erfolgreiche Brasilientochter Pactual, die sie vor zwei Jahren für 2,5 Milliarden Dollar, damals rund 3 Milliarden Franken, erworben hatte, zum Verkauf anbieten. Auch das Asset Management, wo die Vermögen der institutionellen Kunden wie Pensionskassen verwaltet werden, könnte Dritten angeboten werden.

Weil solche Veräusserungen unter Druck geschehen würden, müsste mit unattraktiven Preisen gerechnet werden. Man spricht salopp vom Verscherbeln des Tafelsilbers. Dies hatte die Bank vor sieben Jahren der Swissair empfohlen, bevor sie ihr den Kredithahn zugedreht hatte, worauf die Airline unterging. Nun könnte es für die UBS bald keinen anderen Ausweg mehr geben, als sich schweren Herzens von lukrativen Teilbereichen zu trennen.

Bush will die Banken-Krise abfedern.

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