Aktualisiert 01.10.2010 08:55

Die zwei SCB-Transferfragen

Geht Gamache? Kommt Diaz?

Einen Spieler will er nicht mehr und bringt ihn nicht los. Einen anderen möchte er, aber kriegt ihn vielleicht nicht: SCB-Sportchef Sven Leuenberger hat es nicht leicht.

von
Klaus Zaugg
SCB-Sportchef Sven Leuenberger will Rafael Diaz (l.) verpflichten und Simon Gamache abgeben. (Bild: Keystone)

SCB-Sportchef Sven Leuenberger will Rafael Diaz (l.) verpflichten und Simon Gamache abgeben. (Bild: Keystone)

Kann Leuenberger Simon Gamache (29) doch noch verkaufen und bekommt er Zugs Rafael Diaz (24)? Gamache sitzt in der «Lohnfalle»: Er ist zu teuer und kann deshalb nicht verkauft werden. Der SCB hatte den Kanadier im Laufe der Saison 2007/08 aus Nordamerika zurückgeholt. Gamache war 2006/07 beim SCB NLA-Topskorer geworden und bekam noch einmal einen Vertrag in der NHL. Aber nach der Relegation ins Farmteam kehrte er im Laufe der Saison 2007/08 wieder in die Schweiz zurück. Er war zu diesem Zeitpunkt der begehrteste Spieler auf dem Ausländermarkt. Der SCB musste den Tresor weit öffnen und Gamache mit einem Dreijahresvertrag und etwas mehr als 400 000 Franken Nettosalär pro Saison beglücken.

Der Kanadier ist inzwischen beim SCB nur noch Ersatzausländer. Im nächsten Frühjahr läuft sein Vertrag aus. Leuenberger möchte Gamache sofort weggeben - aber nur, wenn der ganze Vertrag bis Saisonende übernommen wird. Damit er Geld freibekommt für die Verpflichtung eines vermeintlich besseren 5. Ausländers. Aber Gamache ist zu teuer. Deshalb war es bisher nicht möglich, sein Gastspiel bei Fribourg (wo er zweitbester Skorer war) nach sieben Spielen zu verlängern.

Gamache passt nicht mehr zum SCB

Warum will der SCB den Kanadier überhaupt weghaben? Nun, darüber gibt es keine offiziellen Erklärungen. Aber eine inofizielle: Der Kanadierblock ist inzwischen zu einflussreich geworden: Mit Justin Krueger, Joel Kwiatkowksi, Travis Roche, Christian Dubé, Brett McLean, Jean-Pierre Vigier, Ryan Gardner und Simon Gamache stehen nicht weniger als acht (!) Stars mit nordamerikanischem Migrationshintergrund im Team. Die Chemie stimmt nicht mehr.

Eine intensive Befragung von SCB-General Marc Lüthi in der Sache zeigt, wie schwer sich der SCB im «Fall Gamache» tut. Bleibt Simon Gamache? Lüthi: «Er bleibt bei uns.» Aber Sportchef Sven Leuenberger sagt, man sei bereit, über einen Transfer zu verhandeln. «Aber ich sage, er bleibt bei uns.» Aber warum sagt Leuenberger, man könne verhandeln wenn der ganze Vertrag bis Saisonende übernommen werde? «Das hat er vielleicht vor ein paar Tagen gesagt. Ich sage, er gehört zum jetzigen Zeitpunkt zu unserem Team. Punkt. Schluss.»

Was lernen wir also aus den sibyllinischen Antworten der obersten SCB-Chefs? Eine Sibylle ist eine Prophetin, die doppeldeutige bis rätselhafte Aussagen über die Zukunft macht. Also: Lüthis Antwort ist ungefähr so zu interpretieren: Wir brauchen jetzt Ruhe und können das Theater um Gamache nicht brauchen. Wir wären froh, wenn wir ihn so schnell wie möglich samt Vertrag wegtransferieren könnten.

Zuger Verteidiger im Visier

Noch intensiver als am «Fall Gamache» arbeitet der SCB-Sportchef bereits an der nächsten Saison. Ganz zuoberst auf seiner Transfer-Wunschliste steht Zugs Verteidiger Rafael Diaz. Der Innerschweizer Verteidigungsminister ist inzwischen in seiner Mannschaft der wichtigster Spieler mit Schweizer Pass geworden. Sein Vertrag läuft aus und er wird sein Salär mehr als verdoppeln können.

Diaz ist der kreative Schweizer Verteidiger, der dem SCB nach dem Wechsel von Roman Josi nach Nordamerika fehlt. Josi war ein Schlüsselspieler beim Titelgewinn von 2010. SCB-Sportchef Leuenberger mag das Interesse an Diaz weder bestätigen noch dementieren und sagt leicht unwirsch: «Natürlich weiss ich, dass der Vertrag von Diaz ausläuft. Es gehört schliesslich zu meinem Job zu wissen, wer auslaufende Verträge hat.»

Eine Frage des Geldes

Die Zuger wissen, wie wichtig Diaz ist. Aber reicht das Geld, um ihn zu halten? Auch Damien Brunners Vertrag läuft nämlich aus. Er ist in Zug vom Viertlinienstürmer zum Nationalspieler gereift. Auch er wird sein Salär mehr als verdoppeln können. Will Zug Diaz und Brunner halten, kostet die Mannschaft nächste Saison über eine halbe Million mehr. Aber wenn die Zuger die Titanen aus Bern und Zürich und Davos erfolgreich herausfordern wollen, dann dürfen sie Diaz und Brunner nicht ziehen lassen.

Den ersten «Hosenlupf» mit dem SC Bern hat der EVZ auf dem Eis im Saisonstartspiel mit 4:1 gewonnen. Ob die Zuger den SCB auch auf dem Transfermarkt im Schach halten können, ist ungewiss. Der SCB ist seit Jahren der wichtigste Kunde des Spieleragenten, der die Interessen von Diaz vertritt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.