WM in Katar: «Geht nicht mehr um Experten-Meinungen» – Fifa bläst zur Daten-Offensive

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WM in Katar«Geht nicht mehr um Experten-Meinungen» – Fifa bläst zur Daten-Offensive

An der Fussball-Weltmeisterschaft in Katar sammelt die Fifa so viele Spieldaten wie nie zuvor. Daten-Chef Chris Loxston erklärt, was sich der Weltverband damit verspricht.

von
Tobias Wedermann

Nicht nur optisch überragend: Lionel Messi. Hier legt er im WM-Halbfinal für Kollege Julián Álvarez auf.

Video: SRF

Darum gehts

  • Katar 2022 ist nicht nur die erste Winter-WM, sie ist auch die erste unter einem ganz neuen Datenregime der Fifa.

  • Der Weltverband erklärt gegenüber 20 Minuten, wie aufwendig mittlerweile Informationen zu jedem Spieler gesammelt werden.

  • Diese würde nicht nur der Weiterentwicklung des Spiels dienen, sondern auch TV-Experten zu objektiven Aussagen verhelfen.

Es ist in vielerlei Hinsicht eine spezielle Weltmeisterschaft in Katar. Was viele Fans vor Ort oder zu Hause vor den Bildschirmen aber nicht mitbekommen: Hinter den Kulissen werden Fussballdaten gesammelt wie nie zuvor. Eine Mission von Ex-Arsenal-Trainer und aktueller oberster Fussballentwickler bei der Fifa: Arsène Wenger.

«Das Level an Informationen, das wir an dieser WM über den Fussball sammeln, ist viel grösser als alles, was wir je hatten», sagt Chris Loxston, Gruppenleiter Performanceanalytik bei der Fifa, gegenüber 20 Minuten. Ein grosser Anteil an diesen Daten hat ein Zentrum im fast 7000 Kilometer entfernten Wales.

Dort analysieren 22 Personen bei jedem Spiel alle Bewegungen der Spieler. «Eine Person ist für einen Spieler verantwortlich während der ganzen Spielzeit – wird dieser ausgewechselt, übernimmt der jeweilige Analyst den eingewechselten Spieler.» Jeder Spieler wird also bei jeder einzelnen Bewegung überwacht.

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Der ehemalige Arsenal-Trainer Arsène Wenger treibt bei der Fifa eine grosse Entwicklung in Sachen Datensammlung an.

Der ehemalige Arsenal-Trainer Arsène Wenger treibt bei der Fifa eine grosse Entwicklung in Sachen Datensammlung an.

IMAGO/Uk Sports Pics Ltd
Als «Chief of Global Football Development» leitet Wenger (oben rechts) eine neue Art der Datenerfassung während Fussballspielen, die in Katar zum ersten Mal angewandt wird.

Als «Chief of Global Football Development» leitet Wenger (oben rechts) eine neue Art der Datenerfassung während Fussballspielen, die in Katar zum ersten Mal angewandt wird.

IMAGO/Shutterstock
Gewisse Datenauswertungen werden bereits vor den Spielen in den Stadien gezeigt.

Gewisse Datenauswertungen werden bereits vor den Spielen in den Stadien gezeigt.

IMAGO/Ulmer/Teamfoto

Entwicklung im Vordergrund

Mit den Daten wolle man nicht nur den Fussball für Fans verständlicher machen, wie beispielsweise bei den neuen Visualisierungen während der TV-Übertragungen. Die Fifa will Spielern, Trainern und Verbänden auch bei der Entwicklung helfen, sich selbst und den Fussball besser zu machen – und auch die Experten können davon profitieren.

«Mit diesen Daten geht es nicht mehr nur um Meinungen und Eindrücke einzelner Experten am Fernseher, wir können alles mit Daten belegen. Die Fifa investiert viel und gerne in diese Dienstleistung und in diesen Bereich, weil sie überzeugt ist, dass diese Daten für alle Beteiligten und Interessierten von grossem Nutzen sind.»

So wusste man bisher, dass ein Spieler während eines Fussballspiels rund eine Minute und 49 Sekunden den Ball an den Füssen hat. «Mit den Daten können wir seinen direkten Einfluss aufs Spiel nun auf über fünf Minuten erhöhen», erklärt Loxston.

Daten belegen Xhakas starke Leistung

Angesprochen auf die Informationen des Achtelfinals der Schweiz gegen Portugal sagt der Chef-Analyst mit einem Schmunzeln: «In vielen Aspekten sind die Daten zwischen den beiden Teams eigentlich komplett ausgeglichen – ausser bei Laufdistanz und natürlich bei den Toren.»

Ein Blick auf die Daten zeigt allerdings auch: In diversen Statistiken ist die Leistung von Nati-Captain Granit Xhaka bei der Schweiz in der absoluten Führungsrolle – in einigen wäre er gar bei den Portugiesen auf Platz eins.  

Erstmals werden diese Daten ausserdem in die Auszeichnungen der WM einfliessen. Also etwa für den goldigen Schuh des besten Spielers oder den goldigen Handschuh des besten Goalies am Ende des Turniers. 

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