Das bedeutet Novak Djokovics Australien-Ausweisung für den Tennis-Superstar
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Niederlage im Einreise-DramaGeht um viele Millionen – das bedeutet die Australien-Ausweisung für Djokovic

Der Fall Djokovic ist entschieden: Der Serbe darf nicht am Australian Open teilnehmen. Rückblickend gibt es viele Verlierer, allen voran die Weltnummer 1 selbst.

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Am French Open in Paris sollen nur noch geimpfte Spieler teilnehmen dürfen, vermeldet die Nachrichtenagentur AFP am Montag.

Am French Open in Paris sollen nur noch geimpfte Spieler teilnehmen dürfen, vermeldet die Nachrichtenagentur AFP am Montag.

imago images/PanoramiC
Einen Tag vor Start der Australian Open ist Novak Djokovic mit seinem Einspruch gegen die Annullierung des Visums gescheitert. Ein Rückblick über die juristische Hängepartie:

Einen Tag vor Start der Australian Open ist Novak Djokovic mit seinem Einspruch gegen die Annullierung des Visums gescheitert. Ein Rückblick über die juristische Hängepartie:

AFP
10. Dezember
10. Dezember

Die Frist für den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme an den Australian Open endet – für Spieler, die nicht gegen das Coronavirus geimpft wurden. Nur vollständig Geimpfte dürfen an den Start gehen.

AFP

Darum gehts

Am 4. Januar postete Novak Djokovic ein Bild auf Social Media. Darauf zu sehen: Ein hoffnungsvoller Djokovic vor seiner Abreise nach Australien – und jede Menge Gepäck. Er schrieb dazu: «Ich fahre mit einer Ausnahmegenehmigung nach Down Under.» Mit in der Baggage war nicht nur die umstrittene Ausnahmegenehmigung, die dem Serben ein problemloses Einreisen und die Teilnahme am Australian Open hätte ermöglichen sollen. Sondern auch jede Menge Platz.

Schliesslich hätte Djokovic liebend gerne seinen 21. Grand-Slam-Pokal mit nach Hause genommen. Doch anstatt mit der «Norman Brooks Challenge Cup»-Trophäe in der Tasche reist die Weltnummer 1 mit leeren Händen zurück nach Serbien. Die verpasste Chance, alleiniger Grand-Slam-Rekordsieger zu werden, ist allerdings nicht die einzige Konsequenz von Djokovics juristischem Tauziehen der vergangenen zehn Tage. Der Einreise-Krimi wird ihm und vielen anderen noch mehr kosten. 20 Minuten fasst zusammen.

Rekord vertagt, Nummer 1 in Gefahr

Fakt ist: Djokovics Chance, seinen 21. Grand-Slam-Titel einzufahren, ist vorerst vertan. Zusammen mit Roger Federer und Rafael Nadal teilt er momentan die Ehre, 20 Major-Turniersiege aufzuweisen. Mit einem Sieg heuer in Australien wäre er alleiniger Rekordhalter geworden. Nun also verpasst Djokovic seinen zehnten Melbourne-Triumph und die Frage drängt sich auf, ob er ungeimpft auch weitere wichtige Turniere verpassen wird. Auch die Folge-Ausgaben des Australian Open sind in Gefahr, zumal man gewöhnlich nach einer Abschiebung mindestens drei Jahre nicht mehr in Australien einreisen darf.

An den US-Masters in Indian Wells und Miami im März sind nur geimpfte Tennis-Cracks zugelassen, genauso wie bei den US Open. Während über Wimbledons Corona-Politik nichts bekannt ist, hat Djokovic bisher einzig das French Open eine Teilnahme als Ungeimpfter zugesichert. Oder doch nicht? Am Montagmorgen verkündete die Nachrichtenagentur AFP, dass gemäss Regierungsquellen nur noch geimpfte Athleten bei Profi-Sport-Anlässen in Frankreich teilnehmen dürfen. So oder so: Die Weltnummer 1 ist hoch gefährdet. Sollten der Deutsche Alexander Zverev oder der Russe Daniil Medwedew in Melbourne gewinnen, würden sie Djokovic bereits jetzt entthronen. Bei weiteren verpassten Turnieren wäre das eine Frage der Zeit.

Verliert Djokovic Sponsoren-Verträge?

Nebst sportlichem Ruhm hat der Migrations-Krimi auch finanzielle Folgen für Djokovic. Ihm bleibt nicht nur ein mögliches Preisgeld des Australian Open von bis zu rund drei Millionen Franken verwehrt. Er muss auch ungefähr eine halbe Million Franken an Gerichtskosten und Schadenersatz aufkommen. Der Multimillionär wird es verkraften können. Mehr als seine Sponsoren, die ob des Australien-Fiaskos alles andere als begeistert sein dürften. Gegen Djokovic wird mittlerweile in mehreren Ländern ermittelt. Es geht um Falschangaben im Zusammenhang mit Corona-Tests, Verstössen gegen Quarantäne-Richtlinien und unerlaubte Reisen.

Während die Echtheit seines kontroversen Corona-Zertifikats vom 16. Dezember noch geprüft wird, steht jetzt schon fest: Djokovic steht nun weltweit als Impfskeptiker da, der es mit der Wahrheit nicht immer allzu genau nimmt. Dies wiederum macht ihn nicht gerade zum attraktivsten Werbeträger. Wie lange seine Sponsoren Lacoste, Asics, Peugeot oder die Schweizer Uhren-Marke Hublot noch zuschauen? Immerhin geht es um Deals von über 27 Millionen Franken. Skandal-Beispiele haben in der Vergangenheit gezeigt: Ist der Ruf der Ikone einmal dahin, sind die Sponsoren schnell weg.

Verpatzte Lockvogel-Taktik

Neben Djokovic hat sich auch die australische Politik um Premierminister Scott Morrison (53) nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Während Fans aus Djokovics Heimat die grosse Verschwörung gegen Serbien wittern, war das Einreise-Drama um den Tennis-Star vor allem eines: Der verpatzte Versuch der angezählten australischen Regierung, gegenüber der eigenen Bevölkerung zu punkten. Der ehemalige australische Fussballer und Menschenrechtsaktivist Craig Foster: «Sie haben Djokovic als Lockvogel benutzt, um eine harte Handhabe im Umgang mit Corona zu demonstrieren.» Ansonsten hätten sie ihn ja gar nicht hinfliegen lassen müssen, so Foster.

Doch anstatt Stimmen für die nationalen Wahlen im April zu sammeln, hat die Morrison-Regierung der Welt Einblick in Australiens grausame Grenzpolitk gewährt. Und Millionen von Australiern verärgert: Schliesslich litt das Land zuletzt unter einem fast zweijährigen Corona-Lockdown. Dass man für einen ungeimpften Tennis-Star überhaupt eine Ausnahme-Genehmigung in Betracht gezogen hatte, stiess vielen vor den Kopf.

Desaster für Australiens Tennis

Auch die Organisatoren des Grand-Slam-Turniers in Melbourne haben bisher einiges an Schaden abbekommen. Anstatt der Weltnummer 1 nimmt die Weltnummer 150 Salvatore Caruso am Australian Open teil. Dass der historische Kampf gegen Rafael Nadal um den 21. Titel nicht stattfindet, ist zudem ein herber sportlicher Verlust – und das Favoritenfeld mit Daniil Medwedew und Alexander Zverev kaum so attraktiv wie mit einem Novak Djokovic.

Allgemein hat der Ruf des australischen Tennis gelitten. Allen voran der australische Verband um Australian-Open-Chef Craig Tiley (60), der Djokovic ursprünglich eine Ausnahmebewilligung zur Teilnahme genehmigten. Tennis Australia wird vorgeworfen, Spieler mit der Information in die Irre getrieben zu haben, dass eine kürzliche Corona-Erkrankung für eine medizinische Ausnahme – und damit auch die Einreise – reiche. Der umtriebige Turnierboss Craig Tiley wird von Rücktrittsforderungen begleitet, seit der Fall seinen Lauf nahm. In den vergangenen Tagen war der sonst omnipräsente Turnierdirektor abgetaucht.

Die Ausweisung von Djokovic sei zu bedauern, allerdings müsse man die Entscheidung des Gerichts akzeptieren, übte sich die ATP in diplomatischer Schadensbegrenzung. «Unabhängig davon, wie dieser Punkt erreicht worden ist, ist Novak einer der grössten Champions unseres Sports und sein Fehlen bei den Australian Open ist ein Verlust für das Spiel», so die Herren-Tennis-Organisation. Allerdings, wie Rafael Nadal im Rahmen einer Pressekonferenz sagte: «Kein Tennisspieler der Geschichte ist wichtiger als das Event.» Entsprechend ist Djokovic nicht mehr in Australien – aber die Trophäe schon.

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(sih/dpa)

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