Eray Cömert: «Gewisse Leute beim FCB wollten nicht mehr, dass ich spiele»

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Eray Cömert «Gewisse Leute beim FCB wollten nicht mehr, dass ich spiele»

Seit Anfang Jahr kickt Eray Cömert (24) beim FC Valencia. Im Interview spricht der Ex-FCB-Verteidiger über die ersten Monate in Spanien, die Nati und seine schwierige Zeit in Basel.

von
Lucas Werder
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Eray Cömert weilte in der vergangenen Woche mit Valencia im Trainingslager in der Schweiz.

Eray Cömert weilte in der vergangenen Woche mit Valencia im Trainingslager in der Schweiz.

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Im Januar wechselte der 24-Jährige von Basel zum Traditionsclub.

Im Januar wechselte der 24-Jährige von Basel zum Traditionsclub.

IMAGO/eu-images
In Spanien brachte er es in den ersten Monaten auf neun Einsätze.

In Spanien brachte er es in den ersten Monaten auf neun Einsätze.

imago images/NurPhoto

Darum gehts

  • Seit Januar spielt Eray Cömert beim FC Valencia.

  • In der neuen Saison will der Nati-Verteidiger mit dem spanischen Traditionsclub durchstarten.

  • Der 24-Jährige will unbedingt bei der WM in Katar dabei sein.

Eray Cömert, Ende Januar sind Sie vom FC Basel nach Valencia gewechselt. In Spanien wurden Sie am Flughafen von zahlreichen Journalisten wie ein Superstar empfangen. Waren Sie überrascht?

Ich war schon etwas schockiert, das hatte ich nicht erwartet. Schliesslich kam ich ja aus der Schweizer Liga. Gleichzeitig hat es mich natürlich auch gefreut und etwas stolz gemacht.

Ist die Fussballbegeisterung in Valencia derart gross?

Es ist ähnlich wie in Basel. Auch Valencia ist eine Stadt, die für den Verein lebt. Sie erwartet aber auch viel von uns. Wir haben trotz einer schwierigen Saison immer viel Unterstützung durch die Fans erhalten. Klar, man wird in der Stadt erkannt. Die Leute sind aber überhaupt nicht aufdringlich.

Wie haben Sie die ersten Monate in Spanien erlebt?

Sehr gut. Ich konnte dieses erste halbe Jahr gut nutzen, um mich zu adaptieren. Ich musste mich zu Beginn schon etwas an das Niveau und die Intensität gewöhnen. Aber ich habe meine Einsätze bekommen, teilweise auch von Anfang an. Ich sehe es darum als ein gelungenes erstes halbes Jahr an.

Vor Ihrem Wechsel hatten Sie in Basel seit Oktober 2021 kein Spiel mehr bestritten. Hat es das zusätzlich erschwert?

Ja, das habe ich natürlich schon gemerkt. Ich war bei meinem Wechsel drei Monate ohne Pflichtspiel. Die fehlende Spielpraxis habe ich anfangs schon bemerkt. Ich habe dann einfach versucht, das Beste daraus zu machen.

Zu Beginn haben Sie in Valencia sofort gespielt, dann immer weniger. Wie ist das zu bewerten?

Überhaupt nicht negativ. Als ich gekommen bin, fehlten zwei Stammspieler in der Innenverteidigung verletzungsbedingt, diese sind dann im Verlauf der Rückrunde zurückgekommen. Ich habe mir aber überhaupt keinen Stress gemacht und wollte mir selber auch die Zeit geben.

Welche Ziele haben Sie sich für die neue Saison vorgenommen?

Ich will voll angreifen und mir einen Stammplatz erkämpfen. Wir haben einen neuen Trainer und einen neuen Staff. Alles beginnt von null. Daher stufe ich meine Chancen als gut ein. Es liegt ganz alleine an mir selber. Momentan läuft es sehr gut.

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Seit diesem Sommer coacht Italien-Legende Gennaro Gattuso den FC Valencia.

Seit diesem Sommer coacht Italien-Legende Gennaro Gattuso den FC Valencia.

IMAGO/MIS
Zuvor war der 44-Jährige unter anderem bei Napoli, Milan und in Sion tätig.

Zuvor war der 44-Jährige unter anderem bei Napoli, Milan und in Sion tätig.

IMAGO/NurPhoto
Eray Cömert schwärmt von der Arbeit unter seinem neuen Trainer.

Eray Cömert schwärmt von der Arbeit unter seinem neuen Trainer.

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Mit Gennaro Gattuso haben Sie nun einen neuen Trainer. Wie ist die Arbeit mit ihm?

Geil, um es in einem Wort zu sagen. Er hat einen enormen Schwung in die Mannschaft gebracht. Man spürt seine Euphorie und seinen Willen. Und seine Spielphilosophie kommt mir sehr entgegen.

War er mit seinem bissigen und kämpferischen Spielstil früher ein Vorbild für Sie?

Klar, jeder weiss, wie ehrgeizig er als Spieler war. Er war einer, der jeden Zweikampf gewinnen wollte. Das verlangt er nun auch von uns.

Gibt es ein Highlight aus Ihren ersten Monaten in Valencia?

Der Final der Copa del Rey! Ich durfte den Schweizer Cupfinal auch schon erleben, aber in Spanien ist das nochmals eine ganz andere Dimension. Das ganze Drumherum ist gigantisch. Schade, haben wir den Final im Penaltyschiessen verloren.

Vor Ihrem Wechsel hatten Sie beim FC Basel keine einfache Zeit. Was ist genau passiert?

Zu Saisonbeginn hatte ich noch meine Einsätze. Irgendwann kam der Punkt, wo gewisse Leute im Verein nicht mehr wollten, dass ich spiele. Sie glaubten vermutlich, ich würde nicht mehr alles für den FCB geben, weil mein Vertrag auslief. Ich habe trotzdem weiterhin versucht, dem Team so gut wie möglich zu helfen.

Waren Sie sehr enttäuscht?

Klar, man will immer spielen. Ich habe immer 100 Prozent gegeben und gehofft, dass ich vielleicht nochmals einen Einsatz bekommen würde. Daraus wurde leider nichts mehr.

«Gewisse Leute wollten, dass ich nicht mehr spiele.»

Eray Cömert über seinen Abgang in Basel

Ihr Vertrag in Basel wäre in diesem Sommer ausgelaufen. War daher immer klar, dass Sie den Club im Winter verlassen würden?

Es ist normal, dass ein junger Spieler irgendwann den Schritt ins Ausland machen möchte. In meinem Fall gab es aber kein Angebot, das ich unbedingt hätte annehmen wollen. Ich war voll konzentriert auf den FCB. Als ich plötzlich nicht mehr gespielt habe, war dann aber klar, dass ich wechseln muss. Sonst wäre ich nochmals ein halbes Jahr auf der Bank gesessen.

Eine Vertragsverlängerung war nie ein Thema?

Sagen wir es so: Mir wurde von Vereinsseite nie etwas angeboten. Das habe ich akzeptiert und mich dementsprechend auf meine weiteren Karriereschritte konzentriert.

Ein solcher nächster Karriereschritt könnte auch die WM in Katar sein.

Ob ich bei der WM dabei sein werde, weiss ich noch nicht. Es ist aber etwas, das ich durch meine Leistungen selber in der Hand habe. Wenn ich viel spiele, wachsen meine Chancen. Die WM ist ein grosses Highlight, das ich unbedingt einmal erleben möchte.

Aktuell dürften Sie in der Rangordnung Innenverteidiger Nummer 4 sein. Kein Problem für Sie?

Wir haben mit Manuel Akanji, Nico Elvedi und Fabian Schär drei gestandene Nati-Spieler, die seit Jahren international auf dem höchsten Level spielen. Ich kenne meine Rolle und bin ein Teamplayer. Trotzdem versuche ich natürlich, meine Chancen zu nutzen und in Zukunft etwas an dieser Hierarchie zu ändern.

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