ETH-Professor zu neuer Virusvariante - «Geimpfte und Genesene werden auch bei Omikron einen Vorteil haben»
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ETH-Professor zu neuer Virusvariante«Geimpfte und Genesene werden auch bei Omikron einen Vorteil haben»

Die neue Coronavirus-Variante B.1.1.529 könnte den Schutz vor einer Ansteckung bei Geimpften und Genesenen mindern. ETH-Virologe und Taskforce-Mitglied Manfred Kopf sagt, welche Szenarien drohen.

von
Michelle Muff
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Noch weiss niemand, wie gefährlich sie ist: Die in Südafrika erstmals entdeckte Virusvariante B.1.1.529 beschäftigt aktuell Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen weltweit. Auch Manfred Kopf, Professor für Molekulare Biomedizin an der ETH Zürich, hält es für möglich, dass die Impfung gegen die neue Variante schlechter wirkt.

Noch weiss niemand, wie gefährlich sie ist: Die in Südafrika erstmals entdeckte Virusvariante B.1.1.529 beschäftigt aktuell Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen weltweit. Auch Manfred Kopf, Professor für Molekulare Biomedizin an der ETH Zürich, hält es für möglich, dass die Impfung gegen die neue Variante schlechter wirkt.

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 «Geimpfte und Genese werden dennoch einen Vorteil haben gegenüber Ungeimpften, weil sie zumindest eine Teilimmunität haben», so Kopf.

«Geimpfte und Genese werden dennoch einen Vorteil haben gegenüber Ungeimpften, weil sie zumindest eine Teilimmunität haben», so Kopf.

Madeleine Schoder/Tamedia
 «Wenn wir Pech haben, ist der Schutz vor einer Ansteckung bei vollständig Geimpften oder Genesenen bei der Omikron-Variante geringer als bei der Delta-Variante», so Kopf.

«Wenn wir Pech haben, ist der Schutz vor einer Ansteckung bei vollständig Geimpften oder Genesenen bei der Omikron-Variante geringer als bei der Delta-Variante», so Kopf.

Madeleine Schoder/Tamedia

Darum gehts

  • Die Virusvariante Omikron bereitet Experten und Expertinnen zurzeit weltweit Sorgen.

  • ETH-Experte Manfred Kopf sagt, es sei möglich, dass die Schutzwirkung bei Geimpften und Genesenen bei der neuen Variante tiefer ist.

  • «Geimpfte und Genese werden dennoch einen Vorteil haben», so Kopf.

Die WHO stuft die neue Coronavirus-Variante B.1.1.529, die erstmals Ende November in Südafrika nachgewiesen wurde, als besorgniserregend ein. Was die Virusvariante so gefährlich macht: Omikron hat insgesamt 32 Mutationen im Spike-Protein. Dieser Teil des Virus ist derjenige, den unser Immunsystem erkennt. «Die unglaublich hohe Anzahl von Mutationen des Spike-Proteins legen nahe, dass diese Variante wirklich besorgniserregend sein könnte», sagt etwa der britische Virologe Tom Peacock vom Imperial College London.

Auch Manfred Kopf, Professor für Molekulare Biomedizin an der ETH Zürich, hält es für möglich, dass die Impfung gegen die neue Variante schlechter wirkt. «Wenn wir Pech haben, ist der Schutz vor einer Ansteckung bei vollständig Geimpften oder Genesenen bei der Omikron-Variante geringer als bei der Delta-Variante.» Bei der Delta-Variante betrage die Schutzwirkung aktuell etwa 85 Prozent. Annahmen über den Immunschutz beruhten zurzeit jedoch auf reiner Spekulation, so Kopf: «Man muss weitere Untersuchungen abwarten, bei denen getestet wird, wie gut das Serum von Geimpften und Genesenen die Infektion von Zellen mit Omikron blockieren kann. Wenn wir Glück haben, ist der Immunschutz nur unwesentlich beeinträchtigt als bei grassierenden Delta-Varianten.»

mRNA-Impfstoffe könne man schnell anpassen

Falls der Immunschutz bei Geimpften und Genesenen bei Omikron tatsächlich sehr tief ausfallen werde, sei man nicht wieder auf Feld eins, meint Kopf: «Geimpfte und Genese werden dennoch einen Vorteil haben gegenüber Ungeimpften, weil sie zumindest eine Teilimmunität haben.» Ausserdem ermöglichen die mRNA-Impfstoffe eine schnelle Anpassung an neue Varianten. Wenn es nötig sei, könne man innerhalb kurzer Zeit eine erweiterte Impfung herstellen, so Kopf: «Die Infrastruktur, um schnell viel Impfstoff produzieren zu können, ist mittlerweile vorhanden.»

Moderna kündigte bereits an, dass sie neue Impfstoff-Kandidaten prüfen, die besser gegen die neue Corona-Variante Omikron wirken sollen. «Wichtig ist in dieser Situation, dass die Überprüfung der Daten schnell vorwärtsgeht, damit eine baldige Zulassung ermöglicht wird», sagt Kopf. Der erweiterte Impfstoff gegen Omikron würde dann gehandhabt wie aktuell die Boosterimpfungen: «Gefährdete Personen müssen priorisiert werden und so schnell wie möglich eine Auffrischimpfung mit dem erweiterten Vakzin erhalten.»

«Es ist wichtig, Massnahmen zu ergreifen»

«Erste Erkenntnisse zum tatsächlichen Immunschutz bei Geimpften und Genesenen wird man in zwei bis drei Wochen haben. Bis verlässliche Daten zur Verbreitung und der Ansteckungsrate von Omikron vorliegen, wird es jedoch noch Monate dauern», sagt das Mitglied der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes. Es sei wichtig, dass man nun präventiv Massnahmen ergreife und den Reiseverkehr einschränke: «Bis erste Erkenntnisse zur neuen Variante vorhanden sind, ist es essentiell, die Ausbreitung von Omikron so gut wie möglich zu verhindern.»

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