Geiseldrama: Behörden bergen tote deutsche Geisel

Aktualisiert

Geiseldrama: Behörden bergen tote deutsche Geisel

Jetzt ist es traurige Gewissheit: Eine der beiden in Afghanistan entführten deutschen Geiseln ist tot. Die Todesursache ist noch nicht geklärt.

Die afghanischen Behörden bargen den Leichnam, wie der Polizeichef der Provinz Wardak am Sonntag der Nachrichtenagentur AP sagte. Dorfbewohner hätten die Leiche entdeckt, erklärte Polizeichef Mohammed Hewas Maslum. Zur Todesursache könne er zunächst noch nichts sagen. Die Behörden hatten tags zuvor erklärt, einer der beiden im Süden des Landes entführten Männer sei einem Herzanfall erlegen. Der zweite Deutsche lebe noch, es werde alles getan, um seine Freilassung zu erreichen.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin sagte am Sonntag, der Krisenstab halte weiter engen Kontakt zur afghanischen Regierung und bemühe sich mit Hochdruck um eine Lösung. Aussenminister Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor berichtet, nach den vorliegenden Informationen gehe die Regierung davon aus, dass einer der beiden Entführten den Strapazen der Geiselnahme erlegen sei. Man werde nun «das Menschenmögliche und Verantwortbare tun», um das Leben der zweiten Geisel zu retten. Zu Medienberichten, wonach dieser Mann ebenfalls tot sein soll, äusserte sich das Auswärtige Amt nicht.

Ein selbst ernannter Sprecher der radikalislamischen Taliban hatte am Samstag erklärt, die beiden Deutschen seien erschossen worden, weil Deutschland nicht wie verlangt den Abzug seiner Truppen auf Afghanistan bekannt gegeben habe. Die Bundesregierung lehnte einen Rückzug der Bundeswehr aber strikt ab. «Ich werde für die Verlängerung der Mandate werben», sagte Kanzlerin Angela Merkel der «Passauer Neuen Presse». Ähnlich äusserte sich SPD-Chef Kurt Beck im ZDF: «Wir dürfen davor nicht einknicken.»

Die beiden deutschen Bauingenieure, die an einem Dammprojekt arbeiteten, wurden am Mittwoch zusammen mit fünf afghanischen Kollegen in der Provinz Wardak entführt. Laut «Spiegel-Online» stammt der Verstorbene aus Mecklenburg-Vorpommern und litt an Diabetes. Er habe bereits am Freitagnachmittag einen Schwächeanfall erlitten und sei dann gestorben, hiess es unter Berufung auf Sicherheitskreise in Kabul.

Die «Bild am Sonntag» berichtete ebenfalls unter Berufung auf Sicherheitskreise, deutsche Behörden hätten den Leichnam untersucht und Schussverletzungen festgestellt. Das Aussenministerium wollte den Bericht nicht kommentieren und verwies auf Steinmeiers Äusserungen.

Nervenkrieg auch um verschleppte Südkoreaner

Grosse Sorge herrschte weiterhin über das Schicksal von 23 ebenfalls in Afghanistan entführten südkoreanischen Christen. Ein selbst ernannter Taliban-Sprecher erklärte, die 23 Geiseln müssten gegen 23 gefangene Mitglieder der radikalislamischen Organisation ausgetauscht werden. Er setzte der südkoreanischen Regierung in Seoul eine Frist bis 19.00 Uhr Ortszeit (16.30 Uhr MESZ) am Sonntag, um auf diese Forderung einzugehen.

Afghanische Truppen umstellten ein Gebiet in der südlichen Provinz Ghasni, wo die Geiseln vermutet wurden, wie das Verteidigungsministerium in Kabul mitteilte. Unterdessen traf eine achtköpfige Delegation aus Südkorea in Afghanistan ein, um über die Freilassung ihrer Landsleute zu verhandeln.

Der mutmassliche Taliban-Sprecher hatte die Ermordung der Südkoreaner ursprünglich für Samstag angedroht, wenn nicht die 200 in Afghanistan stationierten südkoreanischen Soldaten abgezogen würden. In Seoul verlautete am Sonntag, man habe mit den Vorbereitungen für den Truppenrückzug bereits begonnen. Es dauere fünf bis sechs Monate, um die Truppen wie geplant bis Ende des Jahres nach Hause zu holen. Das Verteidigungsministerium bestätigte diese Angaben, betonte aber, die Vorbereitungen hätten nichts mit der Geiselnahme zu tun. (dapd)

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