Aktualisiert 22.12.2012 11:56

BanküberfallGeiselnahme in Berlin beendet

Der Polizei gelang es nach zehnstündigem Geiseldrama in einer Bank im Stadtteil Zehlendorf, den 20-jährigen Täter zum Aufgeben zu bewegen. Die 40-jährige Geisel blieb unverletzt.

Besinnlichkeit und Brutalität lagen am Freitagabend in Berlin ganz nahe beieinander. Während von einem nahen Weihnachtsmarkt erbauliche Lieder herüberschallten, bahnte sich in einer Filiale der Deutschen Bank im Stadtteil Zehlendorf eine Tragödie an. Der Polizei gelang es aber am frühen Samstagmorgen, ein fast zehnstündiges Geiseldrama unblutig zu beenden.

Der Täter war gegen 15.30 Uhr in die Filiale eingedrungen und hatte einen 40-jährigen Angestellten als Geisel genommen. 20 weitere Mitarbeiter des Geldinstituts konnten über einen Notausgang fliehen. Über die Person des Geiselgangsters, der angeblich aus dem Berliner Umland stammt, wurde offiziell zunächst nichts bekannt.

Die «Bild»-Zeitung beschrieb den Mann als einen 20 Jahre alten Deutschen, der eine Million Euro gefordert habe. Er soll gedroht haben, die Bank in die Luft zu sprengen. Kurz vor Mitternacht telefonierte er dem Bericht zufolge mit einem Staatsanwalt und forderte «politische Immunität». Ein Polizeisprecher erklärte lediglich, er habe einen grösseren Geldbetrag und freies Geleit verlangt.

Die Polizei sperrte den Tatort am Abend weiträumig ab. Es bestand die Befürchtung, der Täter könne sich über das Fernsehen über das Vorgehen der Beamten auf dem Laufenden halten. Die Lage sei «gefährlich», hiess es bei der Polizei. Nach RBB-Informationen wurden die Betreiber von Zehlendorfer Tankstellen aufgefordert, wegen der Gefahr einer Explosion ihre grossen Treibstofftanks abzusperren.

«Konfliktfreie Lösung» erfolgreich

Vor der nächtlichen Polizeisperre in der Berliner Strasse entfaltete sich in den bürgerlichen Wohnviertel ein typisches Grossstadtszenario. Neugierige schauten mit ihren Hunden vorbei, Betrunkene beschwerten sich darüber, dass ihnen der Weg aus der Kneipe nach Hause versperrt war. «Ich will mit ihm reden. Vielleicht sollte ich wirklich mit ihm reden», bot eine alkoholisierte Frau den Beamten vergeblich ihre Vermittlungsdienste an. Ein älterer Mann hat eine anderes Patentrezept parat. «Ein Schuss in den Kopf. Das reicht.»

Die rund 300 Polizisten vor Ort aber setzten erfolgreich auf eine «konfliktfreie Lösung». Am frühen Morgen gelang es den Beamten nach fast zehn Stunden, den Täter in langen Verhandlungen zur Aufgabe zu überreden. Zunächst liess der Mann seine 40 Jahre alte Geisel frei, dann stellte er sich den Beamten. Geisel und Täter blieben unverletzt.

Ein Polizeisprecher zeigte sich nach dem Ende des Nervenkrieges gegen 1.20 Uhr sichtlich erleichtert. «Tolle Sache. Unblutig zu Ende gegangen. Das war uns wichtig», sagte er. Die langen Verhandlungen hätten letztlich zum Ziel geführt. Der Täter sollte nach am Samstag einem Haftrichter vorgeführt werden.

Das Geiseldrama weckte Erinnerungen an einen spektakulären Fall im Juni 1995. Damals hatten sechs Männer eine Commerzbank, ebenfalls in Zehlendorf, überfallen und 16 Geiseln genommen. Als die Polizei nach 18 Stunden die Bank stürmte, waren die Täter mit einer Beute von knapp 16 Millionen D-Mark, darunter Lösegeld aber auch Goldbarren und Schmuck aus den Safes, durch einen selbst gegrabenen Tunnel entkommen. Sie wurden aber später gefasst und verurteilt.

(dapd)

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