Aktualisiert 14.06.2005 13:43

Geiselnehmer als «Wohltäter»: Zum Abschied Parfüm

Die Entführer von Florence Aubenas haben der französischen Journalistin nach 157 Tagen Geiselhaft im Irak zum Abschied Ringe und Parfum geschenkt.

Mit den Worten «Today, Paris» (»Heute Paris») seien sie und ihr Dolmetscher Hussein Hanun am Samstagvormittag über ihre Freilassung informiert worden, berichtete die Reporterin am Dienstag in ihrer Zeitung «Libération».

Wie nach Verbüssung einer Gefängnisstrafe erhielten den Angaben zufolge beide ihre Wertsachen inklusive Bargelds zurück, die die Geiselnehmer in Plastiktüten aufbewahrt hatten. «Ein Bewacher sagte mir: 'Wir haben Geschenke für dich vorbereitet.' Sie überreichten mir zwei Ringe und eine Flasche Parfum», berichtete die 44-Jährige.

Zum ersten Mal seit Beginn ihrer Geiselhaft am 5. Januar, in der sie wochenlang «hockend und gefesselt im Dunkeln» ausharren mussten, durften sich die beiden auf Stühle setzen. «Man servierte uns wie Gästen Tee und dann gebratenes Hühnchen.»

Die Journalistin schrieb weiter, sie habe ein traditionelles irakisches Frauengewand mit Schleier anziehen müssen. Als Aufbruchsignal sei mit der französischen Botschaft in Bagdad vereinbart gewesen, dass telefonisch eine Kassette mit einem Passwort abgespielt werden sollte. Sie habe sich während der Fahrt als Frau des Chauffeurs ausgegeben. Der Wagen sei an mehreren Kontrollpunkten langsamer gefahren, habe aber nicht angehalten. Schliesslich habe sie jemand am Arm aus dem Fahrzeug und ihr den Schleier weggezogen. Dies sei ein Mitarbeiter des französischen Geheimdienstes DGSE gewesen.

Er habe sie rasch zu einem anderen Fahrzeug mit Diplomaten-Kennzeichen geführt, schrieb Aubenas. Dort habe der Mann mehrfach gesagt: «Es ist vorbei.» Die Journalistin, die am Sonntagabend nach Frankreich zurückgekehrt war, wollte am Nachmittag (16.00 Uhr) in einer Pressekonferenz in Paris über ihre Geiselhaft berichten.

Die Regierung hat bislang nichts über die Identität der Geiselnehmer bekannt gegeben. Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie sagte im Radio Europe-1, die Situation sei sehr gefährlich gewesen. Die Freilassung sei eine rein französische Aktion gewesen, in die sich keine ausländische Macht habe einmischen wollen. Die DGSE und das französische Aussenministerium hätten die entscheidenden Rolle in den Verhandlungen gespielt. (dapd)

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