Aktualisiert 31.05.2019 21:39

Drei Tote in ZürichGeiselnehmer war der Ex-Freund eines der Opfer

Ein 60-jähriger Mann nahm zwei Frauen im Alter von 34 und 38 Jahren als Geiseln. Er erschoss beide und richtete sich selbst.

von
ehs
1 / 20
M.S. (38) wurde am Freitag in Zürich erschossen. Sie lebte zusammen mit...

M.S. (38) wurde am Freitag in Zürich erschossen. Sie lebte zusammen mit...

Facebook
der 34-jährigen Kosovarin I.S.

der 34-jährigen Kosovarin I.S.

Facebook
Die beiden Frauen wohnten am Döltschiweg.

Die beiden Frauen wohnten am Döltschiweg.

Am frühen Freitagmorgen spielte sich im Zürcher Kreis 3 eine Gewalttat ab. In einer Wohnung am Döltschiweg entdeckte die Polizei gegen 9.00 Uhr drei Leichen. Dabei handelt es sich um den 60-jährigen P.C., seine Ex-Freundin I. S. (34) und eine weitere Frau, M. S. (38).

Wie eine Anwohnerin der Polizei schilderte, habe sie um 5.00 Uhr einen Streit und einen Schuss aus der Wohnung, in der beide Frauen zusammen wohnten, vernommen. «Jemand hat auf Spanisch geflucht.» Zudem habe eine Frau geschrien. Dann sei die Polizei gekommen und habe alles abgesperrt. «Wir wurden angewiesen, die Läden zu schliessen und das Haus nicht mehr zu verlassen.» Dann seien nochmals zwei bis drei Schüsse gefallen. Polizisten umstellten das Haus. «Wir hatten Angst.»

Geiselnehmer und Opfer lebten früher zusammen

Nach Recherchen von 20 Minuten hatte der bewaffnete P. C. die zwei Frauen in der Wohnung als Geiseln genommen. Gemäss Marco Cortesi, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich, war der 60-Jährige selbst nicht an der Adresse wohnhaft.

I. S. (34) und M. S. (38) arbeiteten beide als Pflegepersonen im Kanton Zürich. I. S. war die Ex-Freundin des Geiselnehmers und lebte nun bei M. S. in der Wohnung. Ihr Name war am Briefkasten an einem weissen Zettel angebracht.

Geiselnehmer arbeitete als Chauffeur

Der Kosovarin I. S. gehörten früher ein Limousinenservice und eine Privatdetektei in Uster. Diese leitete sie zusammen mit P.C. – dem Geiselnehmer. Beide waren bis vor Kurzem an der selben Adresse in Zürich-Altstetten gemeldet.

Drei Tote bei Geiselnahme in Zürich

Der Polizeisprecher Marco Cortesi erklärt den Tathergang (Video: Murat Temel)

Der 60-Jährige besass noch eine zweite Security-Firma in Basel. Beide Security-Firmen sind in Liquidation. Ebenfalls führte P.C. einen eigenen Geschenkartikel-Shop. Laut den Sozialen Medien arbeitete er mittlerweile als Chauffeur.

Chronologie des Dramas

Ein Notruf ging bereits um 5.22 Uhr ein. Eine Frau bat um Hilfe. Gleichzeitig meldete sich eine Anruferin bei der Stadtpolizei und erklärte, dass sie jemanden im Nachbarhaus um Hilfe schreien höre. Bereits um 5.28 Uhr waren so die ersten Einsatzkräfte vor Ort am Döltschiweg.

In der Folge nahm ein Mann mit den Polizisten Kontakt auf, indem er aus dem Fenster zu ihnen sprach. Er gab an, zwei Frauen in seiner Gewalt zu haben und drohte damit, die beiden zu erschiessen, wenn sich die Polizei nicht sofort zurückziehe.

Inzwischen trafen weitere Polizeikräfte ein – darunter auch die Interventionseinheit Skorpion und Spezialisten der Verhandlungsgruppe. Sie hielten sich im Hintergrund und nahmen Kontakte in die Wohnung auf. Parallel dazu wurde die Örtlichkeit grossräumig abgesperrt.

Hintergrund noch unklar

Beim letzten Kontakt um 8.30 Uhr erklärte der Geiselnehmer, dass er in zehn Minuten aufgebe und sich der Polizei stellen werde. Wenig später fielen mehrere Schüsse in der Wohnung, was dazu führte, dass die Interventionseinheit Skorpion die Wohnung stürmte. Die Polizisten trafen auf drei schwerst verletzte Personen, zwei Frauen und einen Mann.

Trotz sofortigen Reanimationsversuchen verstarben alle drei noch vor Ort. Die mutmassliche Tatwaffe, eine Faustfeuerwaffe, wurde sichergestellt. Die genauen Hintergründe und der Tathergang sind Gegenstand der laufenden Abklärungen, die durch die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei geführt werden. (ehs /20 Minuten)

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.