Therapie-Verweigerung: Geiselnehmer wird verwahrt

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Therapie-VerweigerungGeiselnehmer wird verwahrt

Das Zürcher Obergericht hat einen 40-jährigen Kroaten unter anderem wegen Freiheitsberaubung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Die Strafe wurde aber zu Gunsten einer Verwahrung auf unbestimmte Zeit aufgeschoben.

Der Mann wurde wegen Freiheitsberaubung, mehrfacher Körperverletzung, mehrfachen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie weiteren Delikten verurteilt. Mit der Verwahrung folgten die Oberrichter den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Dieses hatte gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich Berufung eingelegt. Die erste Instanz hatte den Angeklagten im Oktober 2008 ebenfalls zu vier Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Die Sanktion wurde allerdings zu Gunsten einer stationären Psychotherapie aufgeschoben. Der Kroate serbischer Abstammung hatte allerdings alle Therapieversuche verweigert.

Zudem schrieb er im Vorfeld des Berufungsprozesses mehrere unflätig gehaltene Briefe an das Obergericht und bezeichnete alle Psychiater pauschal als «Dreckspack». Vor dem Gericht schlug der Angeklagte vor, dass man ihn nach der Verbüssung der Freiheitsstrafe einfach nach Serbien ausschaffen sollte. Dort wolle er ein neues Leben als Fotograf beginnen.

Hohes Rückfallrisiko

Das Obergericht lehnte diesen Antrag ab und folgte dem Staatsanwalt. Das Gericht verwies einerseits auf das hohe Rückfallrisiko und anderseits auf die fehlende Massnahmefähigkeit des Verbrechers. Ein psychiatrisches Gutachten hatte dem Angeklagten eine dissoziale und narzisstische Persönlichkeitsstörung verbunden mit einer schweren Drogensucht attestiert. Dazu gehöre auch ein herzloses Unbeteiligtsein gegenüber den Gefühlen anderer Menschen, hiess es weiter.

Der neunfach vorbestrafte Gewohnheitskriminelle sitzt seit dem 28. September 2007 hinter Gitter. Der Serieneinbrecher hatte damals in Zürich auf der Flucht vor der Polizei eine Familie in deren Wohnung überfallen. Er bedrohte sie mit einer Revolverattrappe sowie einer blutigen Spritze und nahm sie als Geiseln. Die Opfer konnten sich nach einer Stunde befreien. Dabei stach der Täter zwei Familienmitgliedern mit der Spritze in die Hände. Kurz darauf konnte die Polizei den Mann festnehmen. (dapd)

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