Geiselnehmer zu bedingter Strafe verurteilt
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Geiselnehmer zu bedingter Strafe verurteilt

Je zwölf Monate bedingt lautet das Strafmass für zwei Kurden, die im Februar 1999 im griechischen Generalkonsulat in Zürich eine Familie als Geiseln genommen hatten.

Damit bestätigte das Obergericht sein erstes Urteil vom September 2002 weitgehend.

Das Obergericht hatte den Fall auf Geheiss des Kassationsgericht zum zweiten Mal zu beurteilen. Es bestätigte den Schuldspruch wegen mehrfacher Geiselnahme, Freiheitsberaubung und Hausfriedensbruchs, senkte aber das ursprüngliche Strafmass leicht von je 14 auf je 12 Monate. Das bereits am 9. Juli gefällte Urteil wurde am Freitag veröffentlicht.

Der Fall geht auf 1999 zurück: Am 16. Februar drangen rund 70 Kurden in die Liegenschaft des griechischen Generalkonsulats in Zürich ein. Sie waren erbost, da tags zuvor der international gesuchte Kurdenführer Abdullah Oecalan in Kenia verhaftet und an die Türkei ausgeliefert worden war. Oecalan hatte unter anderem die griechischen Behörden um Aufnahme gebeten, aber ohne Erfolg.

Statt Botschaftspersonal eine Familie

Vom Botschaftspersonal war niemand anwesend - deshalb nahmen die Aktivisten eine im Haus wohnende Familie als Geiseln und forderten die Freilassung ihres Anführers. Nach intensiven Verhandlungen wurden am folgenden Tag sämtliche Geiseln unversehrt freigelassen. Gegen sieben Personen wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Das Bezirksgericht sprach zwei von ihnen im Januar 2002 der Geiselnahme, der Freiheitsberaubung und des Hausfriedensbruchs schuldig und verurteilte sie zu bedingten Gefängnisstrafen von je 14 Monaten. Sie zogen den Entscheid weiter und plädierten auf Freispruch. Das Obergericht bestätigte aber das Urteil im September 2002, worauf die Verurteilten Nichtigkeitsbeschwerde einreichten.

Von den heute 40 und 33 Jahre alten Angeklagten akzeptiert einer das jüngste Urteil des Obergerichts als rechtskräftig. Der andere hat zum zweiten Mal Nichtigkeitsbeschwerde eingereicht. (sda)

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