03.06.2019 02:55

Walensee

Geister-Rastplatz wird zum Trainingsplatz für Armee

Schon seit längerer Zeit ist die Raststätte Walensee vor Weesen SG gesperrt. Zwischenzeitlich nutzt sie die Armee als Trainingsplatz und übt dort den Häuserkampf.

von
taw
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Die Raststätte Walensee liegt an der Nordspur Chur-Zürich.

Die Raststätte Walensee liegt an der Nordspur Chur-Zürich.

Google Street View
Mittlerweile steht sie schon seit über 15 Jahren leer.

Mittlerweile steht sie schon seit über 15 Jahren leer.

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Sogar der Künstler Johannes Gees wurde aufmerksam auf die Ruine: «Sie steht schon so lange leer.»

Sogar der Künstler Johannes Gees wurde aufmerksam auf die Ruine: «Sie steht schon so lange leer.»

Johannes Gees

Noch immer nutzt das Bundesamt für Strasse (Astra) die Raststätte Walensee als Bauplatz. Zwischenzeitlich erhält sie jedoch noch eine weitere Funktion. Wie die «Südostschweiz» berichtet, waren kürzlich am Eingang des ehemaligen Restaurants und in dessen Umgebung Zettel mit der Aufschrift «Zutritt verboten, militärisches Trainingsobjekt» angebracht.

Der Grund: Die Armee nutzt den Ort, um den Häuserkampf zu trainieren. Dies allerdings eher selten, wie Ronald Drexel gegenüber der Zeitung sagt. Drexel ist Oberst im Generalstab und als solcher Kommandant des Ausbildungszentrums der Armee (AZA) in Walenstadt. «Wir benutzen es, um das taktisch und technisch richtige Vorgehen im Häuser- und Ortskampf zu trainieren», so Drexel. Das ehemalige Restaurant sei dafür bestens geeignet, weil Teile der Küche und anderer Hausinstallationen noch vorhanden seien. Zudem sei der Bau mit seinen Stockwerken sehr verwinkelt. «Für unsere Ausbildung ist das ideal, und es fordert die Kursteilnehmer taktisch wie auch technisch.»

Keine Entschädigung

Kürzlich fand ein Kurs mit 18 Teilnehmern statt. Dieser dauerte zwei Wochen – auf der Raststätte wurde jedoch nur an einem Tag für ein paar Stunden geübt. «Trainiert wurde darin mit Markiermunition. Doch der Kurs ist jetzt fertig und auch die Schilder wurden wieder entfernt», wird Drexel zitiert. Er könne sich aber durchaus vorstellen, wieder dort zu trainieren, wenn der Besitzer einverstanden ist.

Aktueller Besitzer des Restaurants ist Heinz Peter Moravcic, Geschäftsführer der Restwal GmbH. Um den Ort zu nutzen, musste die Armee sein Einverständnis einholen. Eine Entschädigung erhielt Moravcic dafür nicht.

Eigentlich gesperrt

Nebst dem Einverständnis des Besitzers waren auch Bewilligungen nötig, wie etwa jene des Astra, um den Rastplatz mit Autos befahren zu können. Denn eigentlich hat das Bundesamt für Strassen den Platz für die Öffentlichkeit bereits im September 2017 gesperrt. Für diese Massnahme wurden Sicherheitsgründe geltend gemacht: Die Strecke für die Wegfahrt sei zu kurz. Für die Fahrzeuge sei es nicht möglich, auf 80 Stundenkilometer zu beschleunigen. Für eine reibungslose Eingliederung in den Autobahnverkehr sei das aber notwendig.

Überdies fehlt bei der Wegfahrt ein Pannenstreifen und ein Ausbau sei vom Gelände her schlicht unmöglich, hiess es beim Astra. Selbst der Besitzer darf dort nicht mehr dem Auto hinfahren.

Das Restaurant des Rastplatzes ist bereits seit über 15 Jahren geschlossen. Seither gammelt es langsam vor sich hin. Das brachte ihm den Namen «Schandfleck der Region» oder auch «Geister-Raststätte» ein.

Moravcic hatte geplant, ein Wohn- und Gewerbehaus aus dem ehemaligen Restaurant zu machen. Die Gemeinde verweigerte aber die Baubewilligung, das Verfahren wurde sistiert. Danach wollte er laut «Glarner Nachrichten» selbst darin wohnen. Doch auch das wurde ihm verwehrt. Dafür hätte man die Liegenschaft nämlich an die Wasserversorgung anschliessen müssen. Weil die Leitungen aber mittlerweile verrostet seien und bersten könnten, sei das nicht so einfach.

Was nun mit der Raststätte passiert, weiss niemand so genau.

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