Aktualisiert 22.10.2019 07:51

«Habe nur funktioniert»Geisterfahrer verursacht beinahe Frontalcrash

Gefährliche Szenen auf der A 1: Die Dashcam von Leser-Reporter A. E. zeichnete einen Beinahe-Crash auf. Auf der Überholspur kam ihm ein SUV mit Pferdeanhänger entgegen.

von
mon/juu

Ein Leser entkam auf der Autobahn A1 nur knapp einem Unfall. (Video: Tamedia)

«So ein Verhalten ist mir unbegreiflich», sagt A. E.* Der 32-Jährige war am Samstag gegen 7 Uhr morgens von Zürich Flughafen nach Bern unterwegs. Auf Höhe Wangen an der Aare blendeten ihn auf einmal Scheinwerfer: «Zuerst dachte ich mir nichts dabei. Der Gegenverkehr ist ja grad auf der anderen Seite und wegen dem starken Regen und dem Aquaplaning waren alle besonders konzentriert», so E. Doch das Licht kam immer näher.

Erst, als nur noch wenige Meter zwischen ihm und den Scheinwerfern waren, realisierte er, dass es ein Geisterfahrer war. «Der SUV mit Anhänger kam mir nicht gerade langsam entgegen. Ich handelte geistesgegenwärtig und lenkte mein Auto auf die Mittelspur», sagt der A. E. Die Situation ging glimpflich aus – der Pferdeanhänger konnte vorbeiziehen. Dabei hatte der Geisterfahrer aber mehr Glück als Verstand: «Wäre neben mir ein LKW gewesen, hätte es tödlich geendet.»

«Das ist unerklärlich»

Die Situation zeichnete E. mit einer Dashcam auf. Wie es dazu kommen konnte, ist für ihn unbegreiflich: «Es hatte genug Verkehr auf der Strasse. Warum man dann noch weiterfährt und sogar bis ganz nach rechts auf die Überholspur durchzieht, ist mir ein Rätsel.» Auch warum der Geisterfahrer nicht auf dem Pannenstreifen gehalten habe, sei für ihn unerklärlich.

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU gab es im letzten Jahr zwei Leichtverletzte, einen Schwerverletzten und einen Toten durch Geisterfahrten.

Junge Lenker und Personen über 70

«Man weiss, dass rund 30 Prozent der Geisterfahrer alkoholisiert sind», sagt Sprecher Marc Kipfer. Junge Lenker seien überdurchschnittlich gefährdet, zum Geisterfahrer zu werden, vor allem unter Alkoholeinfluss. «Auch ältere Personen über 70 Jahren sind übervertreten.» Und viele Geisterfahrten passierten in der Dunkelheit, also abends und nachts.

Kipfer betont weiter, dass nur etwa die Hälfte der Geisterfahrer bei einer Autobahn-Ausfahrt bereits die falsche Richtung wähle. «Die andere Hälfte der Geisterfahrer fährt zuerst korrekt, wendet aber dann bei einer Raststätte oder sogar auf freier Strecke. Die Gründe für solche Wendemanöver auf freier Strecke bleiben häufig unklar.»

Polizei sucht Zeugen

Bei der Kantonspolizei Solothurn, die den entsprechenden Streckenabschnitt betreut, hat man Kenntnis von dem Vorfall. Sie hat dazu einen Zeugenaufruf veröffentlicht. Man habe sofort Einsatzkräfte vor Ort gesandt, heisst es in einer Mitteilung. «Der Falschfahrer konnte jedoch nicht mehr angetroffen werden.» Offensichtlich habe er die Autobahn via Rastplatz Oberbipp verlassen, habe sein Fahrzeug gewendet und sei danach korrekt auf die Autobahn in Richtung Bern gefahren.

*Name der Redaktion bekannt

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