Aktualisiert

Das ExperimentGeisterjagd im Forschungslabor

Viele Menschen haben ab und zu das Gefühl, einem Geist zu begegnen. Nun haben Forscher der ETH Lausanne diese Wahrnehmung bei Testpersonen im Labor erzeugt.

von
Claudia Hoffmann
Unheimliche Berührung im Rücken: Der Roboterarm täuscht die Anwesenheit eines Geistes vor. Das Gefühl entsteht, weil die Wahrnehmung des eigenen Körpers verändert ist.

Unheimliche Berührung im Rücken: Der Roboterarm täuscht die Anwesenheit eines Geistes vor. Das Gefühl entsteht, weil die Wahrnehmung des eigenen Körpers verändert ist.

Geister, Schutzengel oder Verstorbene: Immer wieder berichten Menschen von übernatürlichen Begegnungen. Manche spüren zum Beispiel die Anwesenheit eines unsichtbaren Wesens, obwohl sie sich in einem leeren Raum befinden. «Solche Begegnungen fühlen sich für die betreffende Person sehr real an», sagt der Neurowissenschaftler und Robotiker Giulio Rognini von der ETH Lausanne (EPFL). Ihm ist es nun zusammen mit dem Neurologen Olaf Blanke gelungen, das «Geister-Gefühl» gezielt hervorzurufen.

Dazu mussten im Experiment Probanden mit der Hand einen Hebel bewegen. Über diesen wurde ein Roboterarm gesteuert, der sich hinter den Versuchspersonen befand und sie in den Rücken stupste. Solange das Anstupsen zeitgleich mit der Bewegung des Hebels erfolgte, empfanden die Probanden die Berührung als selbst erzeugt. Anders, wenn die Berührung zeitlich versetzt war: Erfolgte sie eine halbe Sekunde nach der Hebelbewegung, glaubten die Testpersonen, jemand Unsichtbares stehe hinter ihnen. Das Gefühl empfanden einige sogar als so unheimlich, dass sie das Experiment abbrechen wollten – und dies, obwohl sie wussten, dass sie selbst den Roboterarm steuerten.

«Schuld an dem Phänomen ist eine veränderte Wahrnehmung des eigenen Körpers», sagt Rognini. Dem Gehirn gelingt es nicht, verschiedene Sinneseindrücke – die Berührung durch den Roboter und die Bewegung der eigenen Hand – in Einklang zu bringen. Dadurch können Halluzinationen wie die Geisterwahrnehmung entstehen. Diese treten auch zum Teil bei Patienten auf, bei denen Hirnareale geschädigt sind, die verschiedene Sinneseindrücke verarbeiten. Aber auch starke Überlastung und Übermüdung können bereits dazu führen, dass das Hirn einem etwas vorgaukelt – und man plötzlich die Anwesenheit eines Geistes spürt.

EPFL-News-Beitrag zur Geisterforschung. (Video: EPFL)

«Wissen»

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