Frauenzentrale: Geklaute Akten müssen zurückgegeben werden
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FrauenzentraleGeklaute Akten müssen zurückgegeben werden

Wild-West-Methoden im Aargau: In einer Hauruck-Aktion hatte sich die Alimenten-Inkassostelle von der Frauenzentrale abgespalten – und gleichzeitig 1200 Akten mitgehen lassen. Die Aargauer Justiz zeigt sich von diesem Vorgehen alles andere als begeistert.

Im Seilziehen um die Alimenten-Inkassostelle (AIK) im Kanton Aargau hat die Frauenzentrale Aargau als Betreiberin der AIK einen juristischen Teilsieg erzielt. Ein neu gegründeter Trägerverein muss die aus dem AIK-Büro gestohlenen 1200 Akten umgehend zurückgeben.

Dies entschied das Handelsgericht Aargau am Freitag in einer superprovisorischen Verfügung, wie die Frauenzentrale Aargau (FZA) am Samstag in Baden vor den Medien mitteilte. Die FZA will den Betrieb der Alimenten-Inkassostelle so schnell wie möglich wieder aufnehmen.

Exponenten des Vereins «Alimenteninkasso Aargau» um den ehemaligen SP-Grossrat Markus Leimbacher hatten am letzten Wochenende die Akten aus dem AIK-Büro in Brugg abtransportiert. Als Reaktion liess die Frauenzentrale die Bankkonten sperren.

Im Auftrag der Gemeinden

Die Inkassostelle werde ab sofort selbständig geführt, hatte der Verein mitgeteilt. Die Kasse solle in eine Stiftung überführt werden. Der als Stiftungspräsident vorgeschlagene ehemalige Regierungsrat Kurt Wernli distanzierte sich mittlerweile.

Die Motivation des neuen Vereins und der Hintergrund des Streits liegen im Dunkeln. Die Frauenzentrale besorgt seit 32 Jahren das Alimenteninkasso von über 120 Gemeinden. Neun Angestellte betreuten bislang rund 1200 Mandate und setzten pro Jahr rund 6 Millionen Franken um.

Im Aargau sind die Gemeinden unter bestimmten Voraussetzungen verpflichtet, Kinderalimente zu bevorschussen und beim Eintreiben der Unterhaltsbeiträge an geschiedene oder alleinstehende Personen zu helfen.

24 Härtefälle

Wegen des Streits sind 24 Personen, die auf die monatlichen Zahlungen der Alimenten-Inkassostelle angewiesen sind, in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Es geht um eine Gesamtsumme von 46 000 Franken, wie die Mediensprecherin der Frauenzentrale auf Anfrage sagte. Für die Betroffenen werde eine Lösung gesucht.

(sda)

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