Aktualisiert 16.03.2006 10:55

Gekröpfter Nordanflug muss warten

Der gekröpfte Nordanflug auf Kloten kommt nicht so rasch, wie die Zürcher sich dies wünschen. Im Ständerat haben der Aargau Widerstand angemeldet und Verkehrsminister Moritz Leuenberger voreilige Hoffnungen gedämpft.

Mit einer Interpellation forderte der Zürcher Hans Hofmann (SVP) die rasche Einführung des gekröpften Nordanflugs unabhängig von den Arbeiten am Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt . Diese Route sei dem heutigen Südanflug «unter allen Aspekten überlegen» und hinter dem früheren geraden Nordanflug klar die zweitbeste Lösung.

Laut Hofmann würde der gekröpfte Nordanflug 190 000 Menschen im Süden entlasten, darunter 75 000, die in tiefer Höhe überflogen würden. Demgegenüber wären im Aargau neu nur «wenige Tausend» Leute betroffen - und dies bei Flughöhen von über 700 Metern. Der Anflug entlang der deutschen Grenze sei ökologisch, ökonomisch und sicher, sagte der Interpellant.

Freundeidgenössisch

Dieses Statement rief umgehend die Aargauer Standesvertreter auf den Plan. «Es darf keinen vorgezogenen gekröpften Nordanflug geben», sagte Thomas Pfisterer (FDP). Denkbar sei dieses Verfahren nur als freundeidgenössische «Verteillösung» in einem Gesamtpaket, dessen übergeordnetes Ziel die Erhaltung des Flughafens Zürich sein müsse.

Maximilian Reimann (SVP) sah für den Aargau «den Bogen überspannt» und wies vor allem auch auf die Gefahren beim anspruchsvollen Anflug hin. Die Zürcherin Trix Heberlein (FDP) hingegen eilte Hofmann zu Hilfe: Der gekröpfte Nordanflug entspreche dem Ziel, die Zahl der Betroffenen und das Mass der Lärmbelastung möglichst gering zu halten.

Bundespräsident Leuenberger teilte die Meinung, dass in der Schweiz eine für alle Beteiligten tragbare Lösung gefunden werden müsse. In diesem Sinne werde der SIL-Prozess vorangetrieben. Letztlich brauche es auch eine Einigung mit Deutschland - und dazu müsse die Schweiz erst einmal geschlossen auftreten.

Laut Leuenberger könnte auch der gekröpfte Nordanflug nur mit deutschem Einverständnis eingeführt werden, weil er hart an der Landesgrenze verläuft. Im Übrigen gebe es bei diesem Verfahren noch zahlreiche technische und sicherheitsmässige Probleme. «Die ganze Sache ist sehr, sehr diffizil», sagte der Verkehrsminister.

(sda)

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