Aktualisiert 28.02.2014 11:09

Rachefeldzug

Gekündigter IT-Spezialist dringt in Datenbank ein

Zwei Jahre lang hackte ein Computerspezialist immer wieder die Datenbanken seines ehemaligen Arbeitgebers und richtete einen grossen Schaden an. Jetzt wurde er zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.

von
Attila Szenogrady
Ein IT-Spezialist machte seinem Ex-Chef das Leben schwer, indem er sich immer wieder Zugang zu den Datenbanken seines ehemaligen Arbeitgebers verschaffte.

Ein IT-Spezialist machte seinem Ex-Chef das Leben schwer, indem er sich immer wieder Zugang zu den Datenbanken seines ehemaligen Arbeitgebers verschaffte.

Der heute 30-jährige Telematiker aus Geroldswil arbeitete seit dem Frühling 2009 bei einer Regensdofer Elektrofirma. Er war unter anderem für den Unterhalt der IT-Struktur einer Bäckerei-Kette verantwortlich. Der junge Schweizer fühlte sich wohl an seinem Arbeitsplatz. Bis die Anstellung eines neuen Gruppenchefs alles veränderte. «Er hat mir das Leben schwer gemacht und mich bevormundet», erinnerte er sich am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich und machte Mobbing geltend. Fest steht, dass der frustrierte Beschuldigte Ende 2011 genug hatte und die Kündigung einreichte.

Allerdings sann er auf Rache und besorgte sich vor seinem Abgang ohne Erlaubnis diverse Passwörter, die er heimlich vom Computer des Geschäftsführers kopierte. Damit verschaffte er sich Zugang zu den Kundenordnern.

Grossen Schaden angerichtet

Bereits Ende 2011 drang der Ex-Projektleiter zum ersten Mal illegal in das Computersystem seiner früheren Arbeitgeberin ein und fälschte einen Eintrag seines verhassten Gruppenchefs. Bis zum September 2013 schlug der Limmattaler immer wieder zu. Bis zu 30-mal verschaffte er sich widerrechtlich Zugriff und richtete in der Agenda des ahnungslosen Kadermannes ein Chaos an. Vor allem indem er immer wieder Kundentermine verschob oder gar ganz löschte.

Mit massiven Folgen für die Firma. So traten mehrere versetzte Kunden verärgert von ihren Verträgen zurück, was zu erheblichen finanziellen Einbussen führte. Als die Serie mit der Festnahme des Beschuldigten im Herbst 2013 ein Ende fand, hatte er bereits einen grossen Schaden von über 100'000 Franken angerichtet. Zu den Opfern zählten auch die Bäckereien, die rund 6000 Franken verloren hatten. Der Beschuldigte war erst nach intensiven polizeilichen Ermittlungen von IT-Fahndern aufgeflogen.

Selbst die Staatsanwaltschaft hinters Licht geführt

Bei der Hausdurchsuchung stiessen die Polizeibeamten auf ein illegales Waffenlager des früheren Militärfans. Zudem kam heraus, dass der EDV-Fachmann sogar die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis hinters Licht geführt hatte.

So bestellter er im Januar 2013 über Amazon aus Deutschland einen verbotenen Teleskop-Schlagstock, der jedoch vom Schweizer Zoll abgefangen wurde und die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz einleitete. Worauf der Beschuldigte wahrheitswidrig behauptete, die Bestellung sei ein Versehen gewesen. Er habe sie storniert. Als Beweis reichte er mehrere rückdatierte und geschickt gefälschte E-Mails ein. Mit Erfolg, da die Staatsanwaltschaft die Mär glaubte und das Verfahren einstellte.

Hohe Geldstrafe und Busse

Vor Gericht zeigte sich der Geroldswiler wie schon in der Untersuchung umfassend geständig und bezeichnete sein Vorgehen als «strohblöd». Die ganze Sache sei allein gegen den Gruppenchef gerichtet gewesen, beteuerte der Mann, der heute als IT-Spezialist unter anderem eine grosse Versicherung betreut.

Das Gericht verurteilte ihn im Wesentlichen anklagegemäss wegen unbefugten Eindringens in ein Datenverarbeitungssystem, Datenbeschädigung, rechtswidriger Einfuhr von Waffen und Urkundenfälschung zu einer hohen, aber noch bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 110 Franken. Im Gegensatz zu den insgesamt 26'400 Franken muss er eine zusätzliche Busse von 4400 Franken bezahlen. Zudem einen Schadenersatz von 5920 Franken für die Bäckerei. Die finanziellen Forderungen der Elektrofirma von 100'000 Franken verwies das Gericht auf den Weg eines Zivilprozesses. Eine geltend gemachte Genugtuung von 10'000 Franken wies der Einzelrichter mangels eines Rechtsgrundes ab. Das Gericht hielt dem Beschuldigten sein umfassendes Geständnis zugute. «Allerdings zeugen die Handlungen auch von einer gewissen kriminellen Energie», erklärte der Vorsitzende.

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