Aktualisiert 14.05.2006 19:50

«Gelähmter» Bettler nach Polizeikontrolle geheilt

In einem Rollstuhl sitzend, erbettelte sich ein 20-jähriger Slowake Geld in Weinfelden. Der Mann war jedoch weder behindert noch krank, wie eine Polizeikontrolle zeigte. Sein Rollstuhl wurde beschlagnahmt.

Mit einer Decke über den Knien und einer löchrigen Mütze hat am Samstag ein Rollstuhlgänger in der Zentrumspassage am Marktplatz in Weinfelden um Geld gebettelt. Die Polizei kontrollierte den Mann und bemerkte seine «ziemlich muskulösen Oberschenkel».

Schnell flog der Betrug auf – der 20-jährige Slowake entpuppte sich als gesunder Schwindler ohne jegliche Behinderung. «Die Polizei brachte ihn auf den Posten, danach machte er sich zu Fuss auf den Weg zum Bahnhof», sagte Kapo-Sprecher Rolf Müller. Die erbettelten 60 Franken und der Rollstuhl wurden eingezogen, der Mann wurde beim Bezirksamt Weinfelden verzeigt.

Betteln ist im Thurgau verboten. «Der Trick mit dem Rollstuhl wird mehrmals jährlich angewendet», so Müller. Er rät, sich von Strassenverkäufern immer eine Bewilligung zeigen zu lassen und bei Belästigungen die Polizei zu informieren. Auch die Stadtpolizei St. Gallen rät davon ab, Bettlern Geld zu geben.

Felix Burch

Geben Sie Bettlern Geld?

Marianne Broder, 17, Stiftin:

Mich stören die Bettler nicht. Jeder muss selber wissen, ob er da etwas geben möchte. Selber gebe ich jedoch nur etwas, wenn ich gerade Wechselgeld in der Tasche habe. Ich habe kein Problem damit.

Daniel Solenthaler, 17, Lehrling:

Meist sage ich einfach, ich habe selber wenig Geld, und gebe nichts. Das klappt auch meist gut. Ich habe aber schon erlebt, dass ein Bettler dann richtig frech zurückgab. Da wird man schon aggressiv.

Matthias Bicker, 17, Lehrling:

Nein, ich gebe aus Prinzip nie Geld. Zudem weiss man ja nicht, ob die auch in Bettler-Banden organisiert sind wie in Deutschland. Hier sind es ja meist Drogensüchtige, die will ich nicht unterstützen.

Martin Hinz, 30, Informatiker:

Geld gebe ich nie, eher kaufe ich noch etwas zum Essen für einen Bettler. Mich hat aber auch schon ein Bettler gefragt, was er mit Essen soll. Geld für Drogen oder anderen Unsinn zu geben ist mir aber zu schade.

Sarina Lendi, 19, Studentin:

Kürzlich habe ich einem Mann 80 Franken gegeben, weil er mir erzählte, er müsse ein Bahnbillett für seine Frau kaufen. Er hat mir eine falsche Adresse angegeben. Ich bin oft viel zu leichtgläubig.

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