Aktualisiert 21.10.2014 14:43

Nasenzellen verpflanzt

Gelähmter lernt nach OP wieder gehen

Dass ein Patient nach der Durchtrennung des Rückenmarks wieder läuft, klingt nach einer Sensation. Ob es wirklich ein historischer Durchbruch ist, muss sich noch zeigen.

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fee

Nachdem bei einem Messerangriff sein Rückenmark durchtrennt worden war, hatte ein heute 38-jähriger Bulgare kein Gefühl mehr in den Beinen und war von der Hüfte abwärts an bewegungsunfähig.

Um Abhilfe zu schaffen, haben polnische Chirurgen bestimmte Stützzellen des Geruchssinns (olfaktorische Hüllzellen) in seine Wirbelsäule transplantiert. Sie wirkten nach den Worten des britischen Forschers Geoffrey Raisman vom Londoner University College als «Brücke», über die das durchtrennte Gewebe zusammenwachsen konnte. Andere Experten warnten aber eindringlich vor verfrühten Hoffnungen und sprachen von einem Einzelfall.

Lebenslang wachsen

Die Methode hatte Raisman mit seinem Team entwickelt, nun hat sie den Angaben zufolge erstmals ausserhalb des Labors bei einem Menschen Erfolg gehabt. Details veröffentlichen die Wissenschaftler am Dienstag im Fachjournal «Cell Transplantation».

Entscheidend sei, dass die Nervenfasern in der Nase das ganze Leben lang wachsen und sich regenerieren könnten, sagte Raisman dem Sender BBC. Dass der Patient nun wieder Gefühl in den Beinen habe und mit Stützen gehen und sogar Autofahren könne, nannte Raisman «beeindruckender, als dass die Menschen auf dem Mond herumlaufen».

Gute Bedingungen

Die Bedingungen seien bei diesem Patienten besonders gut gewesen, da der Schnitt glatt und der Spalt nur acht Millimeter breit gewesen sei. Er glaube, dass diese Methode letztlich die Prognose für Menschen mit Behinderung durch Rückenmarksverletzungen auf historische Art bessern könne.

Der Patient, der als Feuerwehrmann gearbeitet hatte, sagte der BBC: «Wenn man fast die Hälfte seine Körpers nicht spüren kann, fühlt man sich hilflos, aber wenn es zurück ist, dann ist es, als würde man neu geboren werden.» Er halte es für realistisch, dass er eines Tages wieder ganz selbstständig leben könne.

Ermutigend, aber nicht erwiesen

An Tieren war die Methode schon erprobt worden. Robin Franklin, der sie an der Universität Cambridge an Dackeln getestet hat, bezeichnete die Ergebnisse des Fachartikels gegenüber der «Times» als «ziemlich spektakulär» und ermutigend.

Allerdings wisse man erst, wie gut sie wirklich funktioniere, wenn es weitere Studien dazu gebe. Simone Di Giovanni vom Imperial College London kritisierte, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis gebe, dass die verpflanzten Zellen für die Fortschritte des Patienten verantwortlich seien. (fee/sda)

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