Elektroden-Kappe: Gelähmter schreibt mit der Kraft der Gedanken
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Elektroden-KappeGelähmter schreibt mit der Kraft der Gedanken

Nach einem schweren Schlaganfall kann ein Amerikaner nicht mal mehr die Augen bewegen. Er ist gefangen in seinem Körper. Trotzdem kann er mit anderen kommunizieren.

von
fee
Dank der Elektrodenkappe kann der Patient per Hirnstrom kommunizieren.

Dank der Elektrodenkappe kann der Patient per Hirnstrom kommunizieren.

Dass sich ein 68-Jähriger wieder anderen mitteilen kann, gleicht einem Wunder. Denn nach einem Hirnstamminfarkt - einer äusserst schweren Form eines Schlaganfalls - ist er beidseitig gelähmt. Besonders heftig: Selbst die Augenlider kann er nicht mehr kontrollieren. Seine Diagnose: Locked-in-Syndrom, kurz LIS (siehe Box).

Weil seine Augen machen, was sie wollen, kann der 68-Jährige sich nicht wie andere LIS-Patienten über seine Augen mitteilen. Deshalb drohte er, völlig abgeschlossen vor sich hin zu vegetieren. Doch nun haben Forscher der East Tennessee State University in Johnson City einen Weg gefunden, ihn doch kommunizieren zu lassen.

Dies ist mithilfe eines Computer-Gehirn-Interfaces möglich, einer Elektroden-Kappe, die Signale aus seinem Gehirn empfängt und dann an einen Rechner weiterleitet, der diese wiederum in Buchstaben übersetzt und an einem Monitor anzeigt.

Durchbohren des Schädels unnötig

Es ist das erste Mal, dass die Computer-Hirn-Schnittstellen auch gelähmten Schlaganfall-Patienten helfen können, schreiben die Forscher um Eric Sellers im Fachjournal «Science Translational Medicine». Denn bisher seien derartige Tests nur mit gesunden Menschen und Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) durchgeführt worden, teilt die Hochschule mit. Letztere erlahmen zwar auch, jedoch nicht von heute auf morgen, sondern erst nach vielen Jahren.

Eine weitere Besonderheit: Der LIS-Patient trug eine Kappe mit Elektroden auf dem Kopf. In früheren Studien wurden die Elektroden hingegen direkt auf der Hirnhaut der Patienten platziert. Auf diese Weise können die Gehirnsignale zwar deutlich präziser erfasst werden, als wenn sie erst Schädelkochen und Kopfhaut überwinden müssen. Doch wegen der Entzündungsgefahr können die Elektroden nicht langfristig im Kopf verbleiben.

Sellers und seine Kollegen arbeiten nun daran, Geschwindigkeit und Präzision der Buchstaben-Auswahl zu verfeinern. Denn in der Studie habe der Patient 35 Sekunden für einen Buchstaben und 45 Minuten für eine ganze Nachricht gebraucht.

Locked-In-Syndrom

Beim Locked-In-Syndrom (LIS) sind Menschen nahezu vollständig gelähmt, aber bei vollem Bewusstsein. Oft können sie nur noch die Augen vertikal bewegen, was zumindest eine einfache Kommunikation mit der Umwelt zulässt. Verursacht wird das LIS oft von einem Hirntrauma oder einem Schlaganfall. Auch die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) kann zur LIS führen. Dabei verlieren die Betroffenen nach und nach ihre motorischen Fähigkeiten , bis sie vollkommen gelähmt sind und künstlich am Leben gehalten werden müssen.

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