Aktualisiert 20.06.2008 13:47

Fussball-WissenGelbe und rote Karte: Wer hats erfunden?

Gelbe und rote Karten im Fussball gibt es erst seit 1966. Aus welchem Grund sie eingeführt wurden und wer auf die Idee dazu kam - wohl kaum ein Fussball-Fan wirds wissen.

Erfunden hat die Schiedsrichterlegende Rudolf Kreitlein die beiden karten - das nach dem WM-Spiel England - Argentinien, weil der ausgeschlossene argentinische Kapitän sieben Minuten auf dem Platz blieb. Der heute 88-jährige Stuttgarter hat damit Fussballgeschichte geschrieben.

Wie es zur Erfindung der gelben und roten Karten kam, zeigt ein Fernsehfilm-Dokument, dass noch bis zum EM-Final vom 29. Juni in der Fankurve Bodensee auf der Werkstattbühne des Festspielhauses Bregenz zu sehen ist: Beim WM-Spiel England - Argentinien vom 23. Juli 1966 im Londoner Wembley-Stadion stellte Kreitlein in der 37. Minute den argentinischen Mannschafts-Kapitän Antonio Ubaldo Rattin vom Platz. Dieser blieb aber weiter im Spiel und tat so, als würde er nicht verstehen, was der Schiedsrichter wollte. Genau sieben Minuten lang musste Kreitlein seinen Entscheid auf dem Spielfeld mit den Argentiniern diskutieren. Das Stadion geriet in Aufruhr und das Spiel stand kurz vor dem Abbruch. Schliesslich ging Rattin aber doch noch vom Platz - unter grossem Protest - wie das Filmdokument zeigt.

Damit es auf dem Spielfeld keine Verständigungschwierigkeiten und Diskussionen über Schiedsrichterentscheide mehr gebe, habe er einen Tag nach Match im Wembley-Stadion zusammen mit dem damaligen Chef der FIFA-Schiedsrichter, Ken Aston, die gelbe und rote Karte erfunden, sagt Kreitlein heute trocken zu seinem wichtigen Beitrag an die Fussballgeschichte. An der WM 1970 wurden die farbigen und wortlosen Schiedsrichter-Entscheide eingeführt. Der heute 88-jährige Stuttgarter, der in seinem Leben rund 1.700 Spiele leitete, besuchte am (gestrigen) Donnerstag die Bregenzer Ausstellung, die das Haus der Geschichte Baden-Württemberg organisierte. Kreitlein ist als «tapferes Schneiderlein» selber zur Fussballgeschichte geworden, hatte er doch als Berufsschneider seine Schiedsrichteruniformen immer selber genäht. (dapd)

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