Zum Einchecken gezwungen: Geld aus Tasche geklaut – Airline stellt sich stur
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Zum Einchecken gezwungenGeld aus Tasche geklaut – Airline stellt sich stur

Weil der Flug überfüllt war, musste eine Walliserin ihr Handgepäck einchecken. Als sie es wieder bekam, fehlten 800 Euro.

von
vro
Roxane Hellmüller flog mit Vueling, als ihren Angaben zufolge aus ihrer Tasche Geld gestohlen wurde.

Roxane Hellmüller flog mit Vueling, als ihren Angaben zufolge aus ihrer Tasche Geld gestohlen wurde.

Keystone/Robin Utrecht

Roxane Hellmüller aus Crans-Montana VS flog vergangenen Monat mit der spanischen Billig-Airline Vueling nach Ibiza. Beim Retourflug hatte sie einen zweitägigen Aufenthalt in Barcelona. Doch der begann mit einer Enttäuschung. Als sie ihren Rucksack vom Gepäckband holte, fehlten darin 800 Euro. «Er sollte eigentlich mit mir in die Kabine, aber das Personal von Vueling liess mir keine Wahl», erzählt sie «Le Matin». «Ich musste den Rucksack einchecken, weil das Flugzeug voll war.»

Vor dem Einsteigen ins Flugzeug hatte sie sich vergeblich dagegen gewehrt, ihr Gepäck abzugeben. Es war die einzige Tasche, in der sie all ihre Wertsachen transportierte. Nachdem sie den Diebstahl bemerkt hatte, füllte sie sofort ein Beschwerdeformular aus. Die Antwort von Vueling folgte vier Tage später: In solchen Fällen könne die Fluggesellschaft nicht helfen. Eine Entschädigung sei auch nur dann möglich, wenn der Passagier beim Aufgeben des Gepäcks explizit erkläre, dass sich in der Tasche Wertsachen befinden. Auch der Wert der Gegenstände müsse angegeben werden.

«Auf interne Untersuchung bestehen»

Das war in Hellmüllers Fall nicht möglich. Umso wütender ist die 27-Jährige: «Ich finde es skandalös, dass eine Fluggesellschaft jemanden dazu zwingen kann, seine Wertsachen zu gefährden, um dann anschliessend bei Schwierigkeiten jegliche Verantwortung von sich zu weisen», sagt sie zur Zeitung.

Vueling hat der Walliserin empfohlen, bei der katalanischen Polizei Anzeige zu erstatten. Das hat sie auch getan. Doch Valérie Muster, Rechtsberaterin bei der Westschweizer Konsumentenorganisation FRC, warnt: «Das ist eine gute Sache, aber die Geschädigte sollte trotzdem darauf bestehen, dass die Fluggesellschaft eine interne Untersuchung eröffnet.» Es habe nachweislich einen Diebstahl gegeben – nicht einfach einen beschädigten Koffer. Besonders schlimm sei dies, wenn sich herausstelle, dass es sich bei der Täterschaft um einen Mitarbeiter von Vueling handelt.

Mindestens 500 Euro sind nachweisbar

Für die Expertin ist klar: «Es ist zu einfach und schockierend, dem Passagier die Schuld zu geben, wenn sich im Gepäck Wertsachen befinden, nachdem man ihn angewiesen hat, es aufzugeben.»

Auch ihre Haushaltsversicherung nutzt der 27-Jährigen nichts. Denn die Summe des Geldes muss Hellmüller nachweisen können, erklärt Muster «Le Matin». Immerhin hat die Walliserin zwei Zeugen, die bestätigen können, dass sie mindestens 500 Euro in der Tasche hatte. Eine davon ist die Vermieterin des Hauses, in dem die junge Frau auf Ibiza gelebt hat. Vor ihrer Abreise zahlte ihr diese die Kaution von 500 Euro bar aus.

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