Zins in der Eurozone: Geld wird teurer
Aktualisiert

Zins in der EurozoneGeld wird teurer

Die Würfel sind gefallen: Im Kampf gegen die Inflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins trotz Euro-Krise erneut angehoben.

Gespanntes Warten auf den Zinsentscheid der Europäischen Nationalbank in Frankfurt.

Gespanntes Warten auf den Zinsentscheid der Europäischen Nationalbank in Frankfurt.

Ausstieg aus der Krisenpolitik des extrem billigen Geldes: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Eurozone erwartungsgemäss erhöht. Der EZB-Rat hob den wichtigsten Leitzins am Donnerstag um 0,25 Punkte auf 1,50 Prozent, wie die EZB in Frankfurt am Main mitteilte. Es ist der zweite Zinsschritt innerhalb von drei Monaten.

Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld im Euroraum war in der Wirtschafts- und Finanzkrise im Mai 2009 auf 1,0 Prozent gesenkt worden und verharrte bis April 2011 auf diesem Rekordtief. Experten erwarten, dass die Währungshüter im laufenden Jahr mindestens ein weiteres Mal an der Zinsschraube drehen.

Kampf der Inflation

Vor allem die Preise für Energie und Nahrungsmittel waren zuletzt kräftig gestiegen. Dadurch betrug die jährliche Teuerungsrate in den 17 Euro-Ländern im Juni 2,7 Prozent und lag deutlich über dem von der EZB formulierten Stabilitätsziel von knapp unter 2 Prozent.

Höhere Zinsen helfen im Kampf gegen die Inflation: Kredite werden tendenziell teurer, das mindert die Neigung von Unternehmen und Konsumenten, auf Pump zu investieren und zu konsumieren. Andererseits könnten höhere Zinsen die Wirtschaftserholung in den europäischen Schuldenländern zusätzlich erschweren, wo rigide Sparauflagen den Aufschwung ohnehin bremsen. (sda)

Höchster Leitzins im Oktober 2000

Der EZB-Leitzins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Zentralbank mit flüssigen Mitteln versorgen, startete mit der Einführung des Euro als Buchgeld im Januar 1999 bei 3,0 Prozent. Bis Oktober 2000 stieg er in mehreren Schritten auf den bisherigen Höchststand von 4,75 Prozent.

Ab Mai 2001 sank der von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgesetzte Hauptrefinanzierungssatz für den Euroraum wieder. Bei der Einführung des Euro als Bargeld im Januar 2002 lag der Leitzins bei 3,25 Prozent. Bis Juni 2003 sank er auf 2,0 Prozent, wo er zweieinhalb Jahre lang verharrte.

Im Dezember 2005 begann ein neuer Zyklus, der bis auf 4,25 Prozent ab Juli 2008 führte. Die Wirtschaftskrise veranlasste die EZB zu einer schnellen Senkung ab Oktober 2008; einmal - im Dezember 2008 - sogar um den unter Experten als dramatisch eingeschätzten Schritt von 0,75 Prozentpunkten, von 3,25 Prozent auf 2,5 Prozent, binnen nur eines Monats. In vier weiteren Schritten erreichte der Leitzins am 13. Mai 2009 sein bisheriges historisches Tief von 1,0 Prozent.

Die Zinswende begann im April 2011. Nach fast zwei Jahren auf dem historischen Tiefstand setzte die EZB in einem ersten Schritt den Hauptrefinanzierungssatz um 0,25 Punkte auf 1,25 Prozent herauf.

(AP)

Deine Meinung