Aktualisiert 31.01.2012 20:01

Mels

Gelder eines Kreditbetrügers gewaschen

Um dem Gang zum Sozialamt zu entgehen, hat sich ein arbeitsloser Logistikfachmann einem hochkarätigen Kreditbetrüger angeschlossen und dessen Beute gewaschen. Am Dienstag wurde der Familienvater zu einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt.

von
Attila Szenogrady

«Sie haben sich zum Idioten eines Kriminellen gemacht», schärfte der Gerichtsvorsitzende Hans-Jürg Zatti an der Urteilseröffnung dem heute 30-jährigen Logistikfachmann aus Mels ein. Nur ungern erinnerte sich der geständige Familienvater an den Frühling 2009 zurück. Damals war er arbeitslos und fürchtete sich vor dem Gang zum Sozialamt. Die Folge war, dass er auf einen bosnischen Kollegen setzte, der das schnelle Geld versprach.

Briefkästen mit fiktiven Namen angeschrieben

Es war Ende März, als das Duo den ersten Versuch wagte. So suchten beide Männer in Mels und Bad Ragaz nicht beschriftete Briefkästen auf und versahen diese mit fiktiven Namen. Ziel der Uebung: Der Haupttäter wollte die GE Money Bank um Kreditbeträge von jeweils rund 29 000 Franken betrügen. Dabei fälschte er auch Ausweise und Niederlassungsbewilligungen, wobei ihm auch der Angeklagte aus Mels behilflich war.

Allerdings ging die Sache schief, da die beantragten Kredite nicht gewährt wurden. Die Täter warteten vergeblich, bis sich die Briefkästen mit den erhofften Geldbeträgen füllen würden.

82 400 Franken gewaschen

Wenig später brachte eine zweite Deliktserie mehr Erfolg. So konnte der Bosnier die GE Money Bank überlisten und diverse Kredite für mehrere erfundene Personen auf Postcheck-Konten erhältlich machen. Worauf der Angeklagte als Laufbursche die ertrogenen Geldbeträge an verschiedenen Postomaten in Sargans, Igis, Zizers, Flums, Bonaduz oder Malans abheben konnte. In 28 Schritten läpperte sich eine ansehnliche Summe von 82 400 Franken zusammen. Der Angeschuldigte lagerte die Beute in seiner Wohnung und tauschte davon 18 000 Franken bei der Bündner Kantonalbank in Domat/Ems in 13 000 Euro um. Schliesslich übergab er die Gelder seinem Auftraggeber und erhielt dafür eine Belohnung von 4000 Franken.

Geld- statt Freiheitsstrafe verlangt

Im Frühling 2011 kam die Polizei dem Betrügerpaar auf die Schliche. Worauf der Schweizer Angeschuldigte aus Mels sogleich alles zugab. Auch am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich. Der Verteidiger setzte sich wegen des Geständnisses und eines untergeordneten Tatbeitrages für eine bedingte Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 80 Franken ein. Im schlimmsten Fall sei eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten angemessen.

Das Gericht widersprach und setzte anklagegemäss eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten fest. Der Angeschuldigte habe bei der Geldwäscherei viel kriminelle Energie gezeigt, sagte Zatti. Mehr Glück hatte der Mann bei einer Vorstrafe wegen Alkohols am Steuer. So verzichtete das Gericht auf einen Widerruf einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 80 Franken und verlängerte die Probezeit um ein Jahr.

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