Akademie in Winterthur: Geldprobleme beim Hockey-Zentrum
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Akademie in WinterthurGeldprobleme beim Hockey-Zentrum

In Winterthur soll für rund 80 Millionen Franken ein «Eishockey-Versailles» entstehen. Mit einer pünktlichen Eröffnung im Sommer 2013 wird nicht mehr gerechnet. Es fehlen Millionenbeträge.

von
Klaus Zaugg
Finanzielle Schwierigkeiten verzögern die Entstehung des Eishockey-Ausbildungszentrums in Winterthur.

Finanzielle Schwierigkeiten verzögern die Entstehung des Eishockey-Ausbildungszentrums in Winterthur.

Das Prestigeprojekt von Hockey-Präsident Philippe Gaydoul: ein Hockey-Versailles in Winterthur. Integriert im internationalen Zentrum für Leistungs- und Breitensport. Mit mehreren Eisbahnen, Büros für die Liga- und Verbandsadministration, einer Reha-Klinik, Dreifachturnhallen plus einer Eishockey-Akademie: Ein Ausbildungszentrum für die besten Talente im Land. Und alles von Investoren finanziert, so dass es Klubs und Verband nichts kostet. Sozusagen ein «Gratis-Versailles» für unser Hockey. Es zu bauen und in der zweiten Hälfte des Jahres 2013 zu eröffnen: So ist es offiziell beschlossen und verkündet und von der Liga abgesegnet worden (20 Minuten berichtete).

Inzwischen ist die Begeisterung einer gewissen Ernüchterung gewichen. Der neue Hockey-Sportdirektor Ueli Schwarz sagt gegenüber 20 Minuten Online, er betreibe bei der Hockey-Akademie «nur noch eine Schattenplanung». Die Eröffnung im August 2013 sei zwar das Ziel. «Aber wir können keine konkreten Entscheide fällen oder Arbeitsverträge für die Akademie abschliessen. Weil wir nicht wissen, ob der Termin eingehalten werden kann.»

Start nicht vor 2014

Mit einem Start der Akademie wird nicht mehr vor 2014 gerechnet. Weil der Selektionsprozess der für die Akademie in Frage kommenden Spieler fast zwei Jahre beansprucht und jetzt beginnen müsste, zur Zeit aber nicht mehr sicher ist, ob «Versailles» im Sommer 2013 eröffnet werden kann.

Das zentrale Problem ist offenbar die Euro-Schwäche: Ein grosser Teil der Investoren für das «Hockey-Versailles» kommt aus dem Euro-Raum. Aber die Baukosten werden in Schweizer Franken abgerechnet. Insider sagen, es fehlen inzwischen gut und gerne 10 Millionen Franken – weil der Euro so schwach ist.

Präsident Philippe Gaydoul bestätigt keine Zahlen. Aber er dementiert die Probleme und Verzögerungen gegenüber 20 Minuten Online nicht. «Es stimmt, dass gewisse Schwierigkeiten aktuell in der Luft schweben. Es ist auch richtig, dass ein Teil der geplanten Investitionen in Euro fliesst. Natürlich hilft gerade in der Kostenentwicklung des Gesamtprojektes die aktuelle Kursentwicklung des Euro nicht. Die Themenstellung der Kostenoptimierung wird aktuell mit den Investoren intensiv diskutiert und es werden verschiedene Lösungsansätze verfolgt. Es zeichnen sich Lösungen ab, wobei wir hier nicht in Details berichten können.»

Plan B ist vorhanden

Gaydoul führt aus, der Zeitplan sei sehr straff. Die Baueingabe sei erfolgt. Sollte die Realisierung nicht wie geplant per Sommer 2013 möglich sein, so sei dies zwar ärgerlich, aber kein Weltuntergang. «Einen Plan B haben wir in der Schublade bereit. Aber über den diskutieren wir, wenn wir ihn benötigen.»

Das echte Versailles (das berühmteste Prunkschloss der Welt bei Paris) ist übrigens nach einer Bauzeit von 31 Jahren eröffnet worden und hat rund 100 Millionen Franken gekostet. Gaydoul hat also noch bis 2042 Zeit, um sein «Hockey-Versailles» zu bauen. Und zu verhindern, dass daraus ein Hockey-Turmbau zu Babel wird.

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