Aktualisiert 08.04.2011 10:34

Weniger Arbeitslose

Geldsorge schreckt Arbeitslose auf

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit hat sich beschleunigt. Ein Grund: Die Betroffenen legten sich bei der Jobsuche rechtzeitig vor den Leistungskürzungen ins Zeug.

von
Balz Bruppacher
Die Arbeitslosigkeit sank innert Monatsfrist von 3,6 auf 3,4 Prozent und liegt damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.

Die Arbeitslosigkeit sank innert Monatsfrist von 3,6 auf 3,4 Prozent und liegt damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.

«Wir haben Glück, dass die Revision der Arbeitslosenversicherung auf einen Zeitpunkt fällt, in dem die Lage auf dem Arbeitsmarkt sehr gut ist», sagte Serge Gaillard, Leiter der Direktion Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), auf Anfrage von 20 Minuten Online. Die am 1. April in Kraft getretenen Leistungskürzungen dürften im Februar und März den Druck auf die rund 16 000 Betroffenen erhöht haben, noch vor dem Verlust der Arbeitslosentaggelder eine Stelle zu finden. Dies spiegle sich vor allem im überdurchschnittlichen Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit.

Im März ist die Zahl der jungen Arbeitslosen erstmals seit Dezember 2008 wieder unter die Marke von 20 000 gefallen. Ende Monat waren noch 19 325 15- bis 24-Jährige ohne Job. Das waren 1955 oder 9,2 Prozent weniger als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich die Jugendarbeitslosigkeit sogar um 27,8 Prozent. «Der Arbeitsmarkt hat die jungen Menschen seit dem vergangenen Sommer sehr gut aufgenommen», sagte Gaillard.

Mehr Jobs bei Temporären und im Baugewerbe

Die guten Chancen für Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich auch bei der Arbeitslosenquote. Mit einem Rückgang von 3,8 auf 3,5 Prozent lag sie im März erstmals seit langem wieder fast auf dem gleichen Niveau wie das landesweite Mittel. Dieses sank innert Monatsfrist von 3,6 auf 3,4 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Die Zahl der Arbeitslosen ging um 8.420 auf 134 905 zurück. Wie immer im Frühling verbesserte sich die Situation auf dem Baugewerbe und bei den Temporärangestellten besonders stark. Rund die Hälfte des Rückgangs war aber auf die nach wie vor robuste Konjunktur zurückzuführen, wie Gaillard betonte.

Vollbeschäftigung in Obwalden

Der Blick auf die regionale Verteilung der Arbeitslosigkeit zeigt, dass sich die Situation im stark vom Baugewerbe geprägten Wallis am stärksten verbesserte. Dort sank die Quote von 4,6 auf 3,9 Prozent. Vollbeschäftigung herrscht in Obwalden mit einer Quote von 0,9 Prozent. Am meisten Arbeitslose gibt es nach wie vor in Genf mit einer Quote von 6,6 Prozent.

Nur langsam verbessert sich die Lage bei den Langzeitarbeitslosen. Im März waren 30 645 Menschen seit mehr als einem Jahr arbeitslos – 1132 weniger als im Vormonat. Der Anteil am Total der Arbeitslosen nahm aber leicht zu, von 22,2 auf 22,7 Prozent.

Stillstand im Sommer

Im April erwartet Gaillard nochmals einen überdurchschnittlich hohen Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Er dürfte aber zu einem wesentlichen Teil auf die Leistungskürzungen bei der Arbeitslosenversicherung zurückzuführen sein. Wie sich das neue Gesetz auf die Zahl der Ausgesteuerten auswirkt, wird man erst im Juli beziffern können. Der weitere Verlauf der Arbeitslosigkeit im laufenden Jahr wird gemäss Gaillard von der Konjunktur abhängen und damit von der Frage, wie stark der Aufschwung von der Hausse des Frankens gebremst wird. Die Prognose des SECO geht davon aus, dass der Rückgang der Arbeitslosenzahlen im Laufe des Sommers zum Stillstand kommen wird. Im Durchschnitt des ganzen Jahres wird eine Quote von 3,2 Prozent erwartet. Für 2012 werden 3,3 Prozent vorausgesagt.

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