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Geldstrafe und Busse für BAZL-Direktor beantragt

Im Prozess gegen BAZL-Direktor Raymond Cron fordert der Staatsanwalt eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 200 Franken und eine Busse von 5000 Franken. Der Verteidiger Crons beantragte dagegen kostenlosen Freispruch.

Der Staatsanwalt hielt Cron in seinem Plädoyer vom Mittwoch Veruntreuung, Betrug und Urkundenfälschung vor. Der Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) muss sich vor dem Basler Strafgericht seit Dienstag wegen unbewilligter Boni an Mitarbeiter bei seinem früheren Arbeitgeber Batigroup verantworten.

Das Verschulden Crons sei zwar erheblich geringer als das eines weiteren Angeklagten, dürfe aber nicht bagatellisiert werden, sagte der Staatsanwalt. Es sei bei den Boni «nicht nur um das Umdrippeln von Konzernrichtlinien» gegangen, sondern Cron habe Vermögensdelikte begangen. Der Deliktsbetrag von 140 000 Franken sei «recht erheblich».

Cron habe aber von Anfang an die Ermittlungen erleichtert und wolle die «Leichen aus dem Keller holen». Zudem sei nebst anderem auch die «Strafempfindlichkeit aufgrund seiner Stellung als höherer Bundesbeamter» zu berücksichtigen.

Der Staatsanwalt erachtete daher eine bedingte Geldstrafe als angemessen. Damit die «Sanktion nicht nur theoretisch» bleibe, sondern «noch etwas spürbar» sei, beantragte er jedoch auch eine Geldbusse.

Verteidiger will Freispruch

Der Verteidiger Crons forderte dagegen einen Freispruch. Aus seiner Sicht sind die vorgeworfenen Straftatbestände nicht erfüllt. So habe sich Cron etwa die Gelder in den schwarzen Kassen für die Boni nicht angeeignet und sich auch nicht bereichert.

Cron war Spartenleiter bei der Batigroup, bevor er im Mai 2004 BAZL-Chef wurde. Er sei im Konzern «Troubleshooter vom Dienst» gewesen und habe die Verantwortung zur Fertigstellung des Basler Messeturms übernommen, als es bei dem Projekt Probleme gab, führte der Verteidiger aus.

Dabei habe er zwar Bonigelder an der Lohnbuchhaltung vorbeigeleitet, dies aber im Interesse und innerhalb des Unternehmens. Zudem sei er ergebnisverantwortlich gewesen, habe darum trotz anderer Haltung des Konzernchefs selbst entscheiden müssen und auch einen gewissen Entscheidungsspielraum gehabt.

Cron selbst hatte am Dienstag von einem «Gewissenskonflikt» gesprochen: Die Geschäftsleitung habe keine höheren Prämien zugestanden, er habe jedoch in der für Batigroup schwierigen Zeit wichtige Mitarbeiter bei der Stange halten wollen. Andernfalls hätte Millionenschaden entstehen können.

Für den Fall eines Schuldspruchs beantragte der Verteidiger aber, wenigstens von einer Strafe Umgang zu nehmen. Unter anderem verwies dabei auch er auf die Folgen für Crons Stellung als BAZL- Chef. Mit der Batigroup-Nachfolgerin Implenia habe sich Cron zudem bereits geeinigt.

Weitere Strafanträge

Für zwei der weiteren Angeklagten forderte der Staatsanwalt bedingte Freiheitsstrafen zwischen 15 Monaten und zwei Jahren, für einen weiteren zudem eine bedingte Geldstrafe. Im Falle eines Angeklagten verlangte die Verteidigung aber ebenfalls Freispruch. Das Urteil des Strafgerichts wird am Freitag erwartet. (dapd)

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