Geldstrafen im Transrapid-Prozess
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Geldstrafen im Transrapid-Prozess

Nach der Transrapid-Katastrophe im norddeutschen Emsland sind am Freitag zwei Betriebsleiter zu Geldstrafen verurteilt worden. Bei dem Unglück waren im September 2006 23 Personen ums Leben gekommen.

Das Landgericht Osnabrück verhängte am Freitag gegen den früheren Leiter der Versuchsanlage eine Geldstrafe von 24 000 Euro, gegen seinen Nachfolger eine von 20 000 Euro.

Sicherheitsvorschriften missachtet

Beide wurden der 23fachen fahrlässigen Tötung sowie der elffachen fahrlässigen Körperverletzung für schuldig erklärt. Die Anklagebehörden hatten den beiden Angeklagten vorgeworfen, Sicherheitsvorschriften missachtet zu haben.

Sie hätten es versäumt, zwingend nötige Sicherheitsvorschriften in die internen Betriebsregeln einzuarbeiten. So war es möglich, dass ein Fahrdienstleiter an jenem verhängnisvollen 22. September 2006 eine elektronische Fahrwegsperre nicht setzte, die das Unglück verhindert hätte. Der Transrapid war damals auf einen Werkstattwagen geprallt.

Das Strafmass entspricht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Nach dem Urteil kündigten die Anwälte Revision beim Bundesgerichtshof an.

«Kollektives Versagen»

Der Vorsitzende Richter Dieter Temming sagte in der Urteilsbegründung, es habe am Tag des Unglücks ein «kollektives Versagen» nicht nur der Betriebsleiter sondern auch im Leitstand der Magnetschwebebahn-Teststecke im Emsland gegeben: «Tatsächlich haben alle versagt und das teilweise mehrfach», betonte der Richter.

Hauptschuldiger soll der Fahrdienstleiter sein. Er hatte vor dem Unglück die Teststrecke freigegeben. Ein Gutachter hatte dem Mann Prozessunfähigkeit bescheinigt hat. Der Fahrdienstleiter gilt als selbstmordgefährdet.

Die Magnetschwebebahn war am 22. September 2006 mit 170 Kilometern pro Stunde auf einen auf der Teststrecke abgestellten Wartungswagen gerast.

Das Urteil dürfte auch Einfluss auf die Zukunft der Transrapid- Teststrecke in Deutschland haben. Seit dem Unglück steht die Magnetschwebebahn auf der Versuchsanlage in Lathen still. Eine neue Betriebserlaubnis ist beantragt.

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(sda)

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