Strafgericht BL: Geldvermehrung ging schief – 300'000 Fr weg
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Strafgericht BLGeldvermehrung ging schief – 300'000 Fr weg

300'ooo Franken hat eine Bankangestellte veruntreut. Das Geld gab sie ihrem Bruder und dessen Kollegen, die von zwei Männern mit der Wash-Wash-Methode übers Ohr gehauen wurden.

von
Adrian Jäggi
Drei Personen sind vor dem Strafgericht in Muttenz - sie sind angeklagt wegen Veruntreuung und Hehlerei.

Drei Personen sind vor dem Strafgericht in Muttenz - sie sind angeklagt wegen Veruntreuung und Hehlerei.

Der 27-jährige Mladen M.* fährt einen geleasten Porsche Cayenne. «Ein Porsche war schon immer mein Traum», sagt der angelernte Elektriker, der bei seinen Eltern wohnt. Ihn belasten Geldsorgen. Irgendwann im April 2013 wird er auf einer Autobahnraststätte von einem Afrikaner angesprochen, der ihm sein Auto abkaufen will. Sie vereinbaren ein Treffen, zu welchem M. seinen Kollegen Borna K.* mitnimmt.

Über den Auto-Deal wird nicht lange geredet – dafür stellt der Unbekannte, ebenfalls in Begleitung eines Kollegen – den beiden Baselbietern die so genannte Wash-Wash-Methode vor, mit der sich Geld durch eine chemische Reaktion angeblich vermehren lässt (Box).

Trick funktionierte

Die Baselbieter beteuerten am Mittwoch vor dem Strafgericht, dass der Trick funktionierte, aus einer Note zwei zusätzliche zu machen, als es ihnen demonstriert wurde. Also entschieden sie sich, ins Geldvermehrungsgeschäft einzusteigen. Was noch fehlte, war eine grössere Summe Bargeld. Der vorgeschlagene Deal der Afrikaner lautete: Bei einem Betrag von mehr als 100'000 Franken, sind sie mit einem Gewinn von 50 Prozent beteiligt.

M. erzählte die Geschichte seiner Schwester Mirka*. Sie arbeitete bei einer Grossbank als Stellvertreterin des Cash-Floors. Darum wusste sie, dass in der Kasse der Bank jeweils mehrere hunderttausend Franken liegen. Ihrem Bruder soll sie gesagt haben, dass sie daraus 300'000 Franken entwenden könnte.

Griff in die Kasse

«Wie kann man in ihrer Position so etwas machen?», fragte Gerichtspräsident Adrian Jent. «Mein Gehirn funktionierte nicht», so die Angeklagte. Ihr Ziel sei es immer gewesen, das Geld so schnell wie möglich zurückzuzahlen. Sie entnahm drei Bündel 1000-er-Noten aus dem Kassenvorrat und steckte sie in drei Couverts.

Das Geld übergab sie K., da ihr Bruder an jenem Freitagabend im Juli 2013 im Militär war. K. fuhr wie mit den Afrikanern abgemacht nach Zürich in ein Hotel. «Dort machten diese das Licht aus, zündeten Kerzen an und begannen die Noten zu bearbeiten» so K. Die Banknoten steckten sie in einen Kessel und wickelten sie in Alufolie. K. bemerkte nicht, wie die Afrikaner das Geld entwendeten. Sie sagten, sie würden am nächsten Morgen um 10 Uhr wieder auftauchen. Aufgetaucht war aber nur sein Kollege. Zusammen räumten sie das Zimmer. Erst später entdeckten sie, dass alle Noten schwarz gefärbt waren.

Angeklagte widersprechen sich

Unklar blieb vor Gericht, was die beiden Baselbieter mit dem erhofften Gewinn von 300'000 Franken machen wollten. M. sprach von einem «fifty-fifty-Deal», während K. dies in Abrede stellte. Er habe alles nur für seinen Kollegen gemacht, weil dieser so viele Probleme hatte.

Probleme hatte aber vor allem Mirka M. Nachdem ihr Bruder ihr unter Tränen gestanden hatte, dass das Geld futsch war, versuchte sie ihren Arbeitgeber zu täuschen. Sie erweckte den Anschein, dass das Geld von einer Drittperson entwendet worden war. Lange stritt sie bankintern ab, mit der Sache etwas zu tun zu haben. «Sie sind unglaublich skrupellos und eine gute Schauspielerin. Was braucht es dazu für einen Magen?», wollte Jent wissen.

Schliesslich gab sie den Diebstahl zu und wurde von ihrer Bank entlassen. Sie hat aber mittlerweile wieder eine Stelle im Finanzbereich gefunden. Von den eingeklagten 300'000 Franken aber wurde bis jetzt nichts zurückbezahlt. Geschuldet ist dies hauptsächlich den hohen Leasing-Raten für die teuren Autos aller drei Angeklagten.

Das Urteil folgt am Donnerstag.

*Namen geändert

Wash-Wash-Methode: Betrüger gaukeln dabei ihren Opfern vor, dass sie mit Hilfe spezieller Chemikalien und unbedrucktem Geldscheinpapier waschechte Blüten herstellen können. Im aktuellen Fall behaupteten die beiden Afrikaner, das Geld stamme von einem Hilfspaket für Afrika. Die echten Noten seien absichtlich mit unsichtbarem Druck hergestellt worden, um bei einem allfälligen Transport der Hilfsgüter nicht als Banknoten erkenntlich zu sein.

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