Aktualisiert 21.12.2011 10:47

«Wash-Wash-Trick»Geldwäsche einmal anders

Mit dem angeblichen Entfärben von Geldscheinen haben zwei afrikanische Trickbetrüger ein gutgläubiges Ehepaar um 350 000 Franken gebracht. Dafür kassieren sie 14 Monate Haft.

von
Attila Szenogrady

Mit viel Fleiss und Bescheidenheit hatte ein türkisches Ehepaar aus der Ostschweiz über mehrere Jahre hinweg eine Imbissbude betrieben und ein Vermögen von rund 250 000 Franken angespart. Heute sind die Eheleute vollständig ruiniert und müssen wieder von vorne beginnen. Einer der Gründe dafür stand am Montag vor dem Zürcher Obergericht. Es handelte sich um einen 36-jährigen Asylbewerber, der seit längerem in Schaffhausen lebt. Der verheiratete Kameruner hatte ab Ende 2009 wiederholt den Imbiss-Stand des Ehepaares aufgesucht und dieses in Gespräche verwickelt.

Millionensegen in Aussicht gestellt

Schon vor dem Angeklagten war ein anderer Afrikaner aufgetaucht und hatte den Eheleuten vertraulich mitgeteilt, dass sein Vater in Südafrika rund 300 Millionen Franken aus Projekten für die Fussball-WM für sich abgezweigt habe. Rund 40 Millionen Franken davon habe er nun in die Schweiz eingeschmuggelt. Da er die Geldnoten vor der Reise schwarz eingefärbt habe, hätten die Zollbeamten nichts bemerkt.

Nun bestehe aber das Problem, die fraglichen Scheine zu entfärben, erklärte der gut gekleidete Afrikaner. Was der Angeklagte ebenfalls bestätigte. Allerdings sei dies nur möglich, wenn man neue Geldnoten in direkten Kontakt mit den eingefärbten Scheinen bringen würde.

Das Duo bat nun das Ehepaar, einen höheren Geldbetrag aufzutreiben. Es würde als Belohnung 20 Prozent der 40 Millionen Franken erhalten.

Ganzes Vermögen verloren

Als die beiden Afrikaner einen Entfärbungsvorgang mit einer Tausendernote erfolgreich demonstrierten, waren die Eheleute überzeugt. Sie hoben ihr gesamtes Vermögen ab und übergaben in ihrer Wohnung ihren vermeintlichen Geschäftspartnern 250 Tausendernoten. Diese führten die Zeremonie durch und legten die Beträge in einen Tresor. Schon am nächsten Tag erklärten die Afrikaner noch mehr Geld zu benötigen. Worauf die Geschädigten weitere 100 000 Franken besorgten, indem sie zwei Kredite aufnahmen und sogar ihr Auto verkauften.

Dann liessen sich die Afrikaner plötzlich nicht mehr blicken. Als der Geschädigte in seiner Wohnung den Tresor öffnete, fand er bloss wertlose schwarze Papierstücke vor. Die Täter hatten das echte Geld in einem günstigen Moment eingesteckt und mitgenommen.

Freispruch verlangt

Lange konnte sich der Asylbewerber und Fürsorgeempfänger aus Schaffhausen nicht freuen. Er wurde im März 2010 von der Polizei festgenommen und verbrachte danach mehrere Monate in Untersuchungshaft. Allerdings war die ganze Beute verschwunden. Vor Obergericht liess der Mann seinen Verteidiger auf einen Freispruch plädieren. So habe er nur als Übersetzer fungiert, erklärte er und schob die Schuld seinem Partner in die Schuhe. Der Rechtsanwalt drehte den Spiess sogar um und führte aus, dass das Ehepaar aus reiner Rachsucht Strafanzeige erstattet habe. Dem Angeklagten sei eine Genugtuung von mindestens 10 000 Franken zu entrichten, schloss er sein Plädoyer.

Geplant, perfid und kaltblütig

Das Obergericht sah es anders und bestätigte ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Winterthur umfassend. Demnach belegte es den Angeschuldigten wegen mehrfachen Diebstahls mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten. Die Hälfte davon unbedingt. Der Angeklagte habe geplant, perfid sowie kaltblütig gehandelt, führte einer der Oberrichter aus. Er habe auch die Leichtgläubigkeit von rechtschaffenen Migranten ausgenützt. Damit muss der Sozialhilfeempfänger und Vater von vier Kindern wohl bald wieder ins Gefängnis.

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