Uni Zürich: Geleakte BWL-Prüfung wird nicht wiederholt
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Uni ZürichGeleakte BWL-Prüfung wird nicht wiederholt

Studenten fühlten sich unfair behandelt, weil Teile einer BWL-Prüfung im Internet kursierten. Die Uni Zürich will die Prüfung nicht wiederholen.

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tam
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An der Uni Zürich kam es zu einem Problem mit einer BWL-Prüfung. Die Fragen waren schon Tage vor der Prüfung in einem Online-Forum ersichtlich.

An der Uni Zürich kam es zu einem Problem mit einer BWL-Prüfung. Die Fragen waren schon Tage vor der Prüfung in einem Online-Forum ersichtlich.

Keystone/AP/Walter Bieri
Die Uni reagierte mit einem Schreiben an die Studierenden.

Die Uni reagierte mit einem Schreiben an die Studierenden.

zVg
Auf der Social-Media-App Jodel kursiert ein Foto der Prüfung. Die vermeintlich verantwortliche Person hinter dem Leak sagt dazu:  «Ich habe zwei Fragebögen bekommen und habe halt eine mitgenommen.»

Auf der Social-Media-App Jodel kursiert ein Foto der Prüfung. Die vermeintlich verantwortliche Person hinter dem Leak sagt dazu: «Ich habe zwei Fragebögen bekommen und habe halt eine mitgenommen.»

Die BWL-2-Prüfung an der Uni Zürich sorgte vergangene Woche für rote Köpfe bei den Studenten, weil Teile der Prüfung bereits im Voraus online zur Verfügung standen. Die Uni Zürich versuchte zu beschwichtigen: Es handle sich nicht um deckungsgleiche Prüfungen. Die Hälfte der Fragen sei im Vergleich zum Vorjahr neu oder angepasst worden.

In einem Mail an die Studenten schrieb die Studienleitung am Donnerstag, dass die Prüfung nicht wiederholt werde. Statistische Auswertungen hätten gezeigt, dass es bei der Leistung keine Unterschiede zur Prüfung im Vorjahr gebe. «Der Notenschnitt ist mit 4,37 (2017: 4,38) praktisch identisch. Die Durchfallquote liegt mit 24,9 Prozent (2017: 28,1 Prozent) leicht niedriger», sagt Uni-Sprecher Beat Müller. Auch beim Vergleich von einzelnen Fragen habe man keine Auffälligkeiten beobachtet.

«Prüfung soll weiterhin Basiswissen testen»

«Die Studenten, die die vorjährige Prüfung kannten, konnten also nicht gross davon profitieren», bilanziert Müller. Wie der Prüfungsbogen ins Internet gelangte, sei noch nicht geklärt. Man prüfe, wie man weiter vorgehen und ob man rechtliche Schritte einleiten wolle. Vergangene Woche verurteilte man die Veröffentlichung als klaren Regelverstoss.

Wie die BWL-Prüfung im kommenden Jahr aussehen wird, ist noch offen: «Das müssen wir noch klären. Ziel muss jedoch bleiben, dass die Prüfung Basiswissen testet und mit den Vorjahren vergleichbar bleibt.»

«Entscheid ist fragwürdig»

Dass die Prüfung nicht wiederholt wird, ist eine gute Nachricht für die Studenten, die nicht nochmals antreten müssen. Der Fachverein Oekonomie ist mit dem Vorgehen ebenfalls einverstanden. Studenten hätten wohl wegen fehlender Musterlösungen nicht gross profitieren können.

Camille Lothe, Präsidentin der Jungen SVP des Kantons Zürich, hat die Prüfung ebenfalls absolviert und forderte eine Wiederholung, als der Leak bekannt wurde. «Ich bin erstaunt und finde den Entscheid der Uni sehr fragwürdig», sagt sie. Man berufe sich auf Statistiken und wisse gar nicht, wie viele Personen von diesem Leak profitiert hätten.

Uni soll Prüfungen veröffentlichen

Offensichtlich habe der Leak sowie die Entwendung der Prüfung nun auch keine Konsequenzen. «Mit diesem Präzedenzfall gibt man grünes Licht, dass man auch künftig ohne Bedenken Prüfungen entwenden und mit anderen Studenten teilen kann», so Lothe. Aus ihrer Sicht wäre es das Beste, wenn die Uni von sich aus alte Prüfungen veröffentlichen würde. «So können sich alle vorbereiten und davon profitieren.»

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