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Gelebte Reise in die Vergangenheit

«Römer aller Länder vereinigt euch!» Dahinter steckt keine Kampfansage, sondern das Motto von Geschichtsliebhabern, die in den vergangenen Tagen zu hunderten nach Rom strömten.

Grund: vom 17. bis zum 22. April fanden die Feierlichkeiten rund um die Gründung der Ewigen Stadt statt. Mit von der Partie waren auch «Legionen» aus Deutschland, England und Ungarn.

«Heute bin ich ausnahmsweise mal ein Germane, ansonsten gehöre ich aber der Legio XXII Primigenia an», erklärt Marco Grün. Der 30-jährige Geschichtslehrer aus Trier ist bereits seit zehn Jahren Mitglied des Vereins. «Wir wollen den Leuten zeigen, wie es bei den Alten Römer ausgesehen haben könnte.» Gelebte Geschichte war Marco schon immer wichtig. «Es ist eine Sache, ein Schwert und eine Tunika im Museum oder in Büchern zu sehen, eine andere ist es, die Kleidung zu tragen», erklärt der Lehrer. Als 1995 die Legio XXII gegründet wurde, war er sofort dabei. Nach gut zehn Jahren schafft er die wöchentlichen Trainings und das jährlich stattfindende Übungslager, das in der römischen Villa Otrang bei Trier aufgeschlagen wird, mit links.

Heute allerdings präsentiert sich Marco in leichter Tracht, er stellt einen Germanen aus der gehobenen Mittelschicht dar. Seine Hose und sein Oberhemd sind aus reiner Wolle, sehr fein gewebt, und sein Umhang wird von einer silbernen Fibel gehalten. Was schlicht und einfach aussieht, war knochenharte Arbeit. «Für diese Kleidung habe ich stundenlang recherchiert», erklärt Marco. «Ich wollte wissen, wie so ein Germane tatsächlich ausgesehen haben könnte.» Das ornamentierte Schwert hat ein befreundeter Handwerker eigens für ihn geschmiedet.

Die Liebe zur Geschichte will Marco auch seinen Schülern vermitteln. «Es hat nicht nur Sinn, aus Büchern zu lernen. Nicht alle merken sich die vielen Zahlen», erklärt er. Daher steht auch schon mal gelebte Geschichte auf dem Lehrplan. «Vor kurzem haben wir sogar mal eine griechische Schlachtreihe auf dem Schulhof nachgestellt.»

«Unsere Lyra war ein Flugzeug-Passagier»

Ob Griechen, Kelten, Germanen oder Römer, bei dem Treffen in Rom sind viele Völker vertreten. «Was uns eint, ist die Liebe zur Geschichte», sagt Giorgio Franchetti vom Gruppo Storico Romano. Der römische Geschichtsverein organisiert das Treffen jedes Jahr um den 21. April, dem Gründungstag der Ewigen Stadt. Mittlerweile hat sich dieses Event herumgesprochen, und auch die «Verbündeten» aus England, Ungarn und Deutschland machen mit.

Auf dem Programm stehen Gladiatorenspiele, religiöse Rituale und Feste. Wein, Weib und Gesang sozusagen, wie wir es aus den Filmen über die Römer kennen. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der Umzug aller Beteiligten, der vom Circo Massimo am Forum Romanum und dem Colosseo vorbei führt.

«Wir sind zum ersten Mal dabei und geniessen es», sagt Susanna Rühling. Die 27-Jährige aus Bonn schart die Musikergruppe «Musica Romana» um sich. Gespielt werden über 25 verschiedene Original-Instrumente, die in mühsamer Kleinstarbeit zum Teil selbst gebaut werden. Neben der Lyra ist auch die Doppeloboe Tibiae und das Tympanum, eine Trommel, zu finden. «Für unsere Harfe, die Lyra, mussten wir einen eigenen Sitz im Flugzeug reservieren, wie ein echter Passagier», lacht Susanna.

Nichts kann der Archäologie-Studentin aus Bonn heute die Laune verderben, auch nicht der tagelang anhaltende Regen. Das gilt auch für den Handwerker Hilmar, die Tanzpädagogin Jutta, den Ägyptologiestudenten Daniel und die Modedesignerin Jae. Geduldig warten die Musiker auf ihren Auftritt, gekleidet in Original-Gewändern. Gelebte Geschichte pur!

(dapd)

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