Gelingt den Eisgenossen der Coup?
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Gelingt den Eisgenossen der Coup?

Alle Teams werden mit Ihren absoluten Superstars antreten. Für die Schweizer wird es somit schwer. Trotzdem: Das Ziel sind die Viertelfinals.

Für Nagano 1998 qualifizierte sich die Schweiz nicht, in Salt Lake City 2002 schied sie aus, ehe die «Grossen» eingriffen, und für den World Cup erhielt der SEHV noch nie eine Einladung. In Turin trifft die Eishockey-Nati nun erstmals auf die «Dreamteams».

Mit grosser Spannung und einem Kribbeln im Bauch blicken Nationalcoach Ralph Krueger und die Spieler dem Olympia-Abenteuer entgegen. Krueger: «Torino ist die mit Abstand aufregendste Aufgabe, die sich mir in meiner Trainer-Laufbahn stellte. Natürlich wollen wir Olympia und die Spiele gegen diese grossen Mannschaften auch geniessen. Aber wir wollen nicht einfach nur dabeisein. Das Ziel sind die Viertelfinals, und wenn wir dort sind, schauen wir weiter!»

Für die SEHV-Auswahl beginnt das Olympiaturnier mit Spielen gegen Finnland (Mittwoch, 15.2.), Tschechien (Donnerstag) und Kanada (Samstag). Die Schlüsselpartien folgen aber erst zum Abschluss der Vorrunde gegen Deutschland (Sonntag) und Italien (Dienstag). Vier Teams aus den beiden Sechsergruppen erreichen die Viertelfinals; danach geht es im K.o.-System weiter.

Die Vorzeichen für das Schweizer Nationalteam stehen gut. In der Verbereitung resultierten akzeptable Ergebnisse. Im Dezember am Vierländerturnier von Piestany (Slk) bewiesen die «Eisgenossen», dass ihnen frühe Spielzeiten keine Probleme bereiten. In Turin beginnt keines der Schweizer Vorrundenspiele später als um 15.30 Uhr; das erste Face-off der wohl entscheidenden Partien gegen Deutschland (12.00 Uhr) und Italien (12.30) ist sogar schon auf Mittag angesetzt. Gegen die Deutschen feierten die Schweizer an den letzten Weltmeisterschaften (1:0 und 5:1) und zweimal auswärts am Deutschland-Cup (zweimal 2:1) vier Siege in Serie. Und die letzte Niederlage gegen Italien datiert vom 27. April 1995.

Wie 1988 in Calgary startet das Schweizer Team gegen Finnland ins Turnier. Gelingt wie damals (2:1-Sieg) eine Sensation? Völlig unmöglich ist das nicht, obwohl auch Finnland mit Ausnahme der zwei Lugano-Söldner Ville Peltonen und Jukka Hentunen ausschliesslich auf NHL-Akteure baut. Alle NHL-Spieler stehen am Wochenende 11./12. Februar noch in der Liga im Einsatz und treffen erst am Montag und Dienstag, unmittelbar vor Turnierbeginn, in Turin ein. Der Jetlag wird den NHL-Spielern während der ersten Turniertage zu schaffen machen -- allerdings auch den Schweizer Torhütern Martin Gerber (Nummer 1) und David Aebischer (2).

Weil die Schweizer Mannschaft im Gegensatz zu den All-Star-Teams Tschechiens (mit Hasek, Jagr) und Kanadas (Brodeur, Thornton, Sakic) eingespielt und über Jahre gewachsen ist, sind Sensationen in den ersten Tagen zumindest nicht unmöglich. Wenn ein amerikanisches Collegeteam der jahrelang unbesiegten sowjetischen Sbornaja Gold entreissen kann (wie 1980 in Lake Placid geschehen), dann ist auch ein Schweizer Teilerfolg gegen müde und vielleicht überhebliche NHL-Stars kein Ding der Unmöglichkeit.

Eine Baustelle, herrührend aus der Zeit der sowjetischen Überlegenheit, schloss der internationale Verband IIHF unmittelbar vor den Spielen von Turin. Weil die Sowjets während ihrer Glanzzeit mit fairen Mitteln kaum zu stoppen waren (und die «CCCP-Dominanz» dem Welthockey wenig nützte), tolerierten die Referees seit einem Vierteljahrhundert immer mehr Halten, Haken und Behinderungen. Diesem Treiben wurde diesen Herbst ein Ende gesetzt. In Turin wird - wie schon die ganze Saison in der NHL - mit «null Toleranz» arbitriert.

IIHF-Präsident René Fasel (Freiburg) erwartet aus diesem Grund «am Anfang des Turniers kleinere Probleme». Schon an der U20-WM vor einem Monat in Vancouver (Ka) benötigten die Referees einige Tage, um eine gemeinsame Linie zu finden. Fasel: «Die Olympia-Schiedsrichter absolvieren vor dem Turnier drei Trainingslager. Ausserdem sind sich alle NHL-Akteure an die neue Regelinterpretationen gewöhnt. Mit der strengeren Regelauslegung bevorteilen wir technisch gute, schnelle Spieler. Die Offensive wird erleichtert. Ich bin überzeugt, wir werden das beste Turnier aller Zeiten erleben.»

Davon können auch Schweizer Eishockeyfans noch profitieren - denn ein Trip nach Turin stellt keine Weltreise dar. Erst die wenigsten Eishockeypartien in Turin sind ausverkauft. Fasel: «Es gibt noch viele Tickets für sehr viele Spiele!»

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