Lieber Phil Geld: «Gelte ich noch als Wochenaufenthalter?»
Aktualisiert

Lieber Phil Geld«Gelte ich noch als Wochenaufenthalter?»

Pirmin (32) fühlt sich als Wochenaufenthalter, doch das Steueramt sieht das anders. Was gilt?

Bei alleinstehenden Personen über 30 gilt in der Regel der Arbeitsort als Wohnsitz. (Bild: Blick über die Altstadt und auf die Kirche St. Johann in Schaffhausen.)

Bei alleinstehenden Personen über 30 gilt in der Regel der Arbeitsort als Wohnsitz. (Bild: Blick über die Altstadt und auf die Kirche St. Johann in Schaffhausen.)

Keystone/Alessandro Della Bella

Lieber Phil Geld

Ich bin Wochenaufenthalter in Schaffhausen und habe Wohnsitz im Kanton Wallis. Nun eröffnete mir die Schaffhauser Steuerverwaltung, dass ich von jetzt an am Arbeitsort steuerpflichtig bin. Ich hätte meinen Lebensmittelpunkt in Schaffhausen. Das gehe aus meinen Angaben aus einem Fragebogen hervor. Wie wird bestimmt, wo jemand seinen Lebensmittelpunkt hat?

Lieber Pirmin

Wochenaufenthalter übernachten an Arbeitstagen am Arbeitsort und verbringen in der Regel die Wochenenden anderswo. Gemäss Bundesgericht (BGE 125 I 54) gilt jener Ort als Wohnsitz und Lebensmittelpunkt, an dem die Beziehungen am stärksten sind. Für die Einschätzung, ob jemand als Wochenaufenthalter akzeptiert werden muss, gibt es einige Faustregeln.

Gegenüber alleinstehenden Personen sind die Behörden restriktiv, wenn es darum geht, die heimatliche Wohnung bei den Eltern als Hauptsteuerdomizil anzuerkennen. Steuerpflichtigen über 30 und Personen, die schon mehr als fünf Jahre ununterbrochen am selben Ort arbeiten, wird unterstellt, dass sie sich dauerhaft im neuen Kanton eingerichtet haben. Deshalb sei die Bindung zur elterlichen Familie lockerer als zu den Bekannten am Arbeitsort. Ob du weiterhin «im Herzen» ein Walliser bleiben willst, interessiert die «Üsserschwyzer» Steuerämter nicht.

Gegen die Aberkennung des Status als Wochenaufenthalter kann man Einspruch erheben. Allerdings muss dann der Betroffene gemäss Bundesgericht selbst den Nachweis erbringen, dass der Arbeitsort nicht Lebensmittelpunkt ist. Beispielsweise indem er geltend macht, dass er in Vereinen oder in der lokalen Politik aktiv ist und am Arbeitsort ohnehin nur in einer minimal ausgestatteten Wohnung übernachtet.

Deutlich mehr Gewicht haben familiäre Bande bei verheirateten Personen und Konkubinatspartnern. Für sie gilt in der Regel jener Ort als Lebensmittelpunkt, an dem sich Ehegatte, Partner und Kinder aufhalten. Doch auch das ist nur eine Faustregel. Leben zum Beispiel beide Ehepartner die Woche hindurch auswärts, werden die Behörden den Fall individuell prüfen. Wochenaufenthalter in leitender Stellung sind in aller Regel am Arbeitsort steuerpflichtig, selbst wenn sie verheiratet sind. Mit «leitender Stellung» meinen die Steuerbehörden Führungspersonen in einem bedeutenden Unternehmen und zahlreichen untergebenen Personen. Team- oder Abteilungsleiter mit mehreren Dutzend Mitarbeitenden sind von dieser Regelung nicht betroffen.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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