Präsidentenwahl: Gemässigter Islamist soll Somalia regieren
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PräsidentenwahlGemässigter Islamist soll Somalia regieren

Der als gemässigt geltende Islamistenführer Scheich Scharif Ahmad ist zum neuen Präsidenten Somalias gewählt worden. Die Abgeordneten versammelten sich aus Sicherheitsgründen im benachbarten Dschibuti.

Ahmad war als Führer der von Islamisten dominierten Allianz für die Wiederbefreiung Somalias (ARS) zu der Wahl angetreten. Sein Vorgänger als Staatschef, Abdullahi Yusuf Ahmad, war im Dezember nach einem Machtkampf mit Regierungschef Nur Hassan Hussein zurückgetreten.

Der als gemässigt geltende junge Geistliche gewann mit grossem Vorsprung die Abstimmung im Parlament. Er erhielt 219 der insgesamt 430 Abgeordnetenstimmen und besiegte im zweiten Wahlgang Maslah Muhammad Siad Barre (60 Stimmen), den Sohn des früheren Machthabers, Siad Barre.

Ahmad grösster Rivale, Regierungschef Nur Hassan, hatte sich bereits nach dem ersten Wahlgang wegen mangelnder Unterstützung zurückgezogen. Er signalisierte dem neuen Staatschef Kooperationsbereitschaft.

Versöhnung als Ziel

Nach seiner Wahl in der nächtlichen Parlamentssitzung kündigte Ahmad an, das Land versöhnen zu wollen. Die sich bekämpfenden Milizen rief er auf, gemeinsam Frieden zu suchen.

Ahmad leitete die Bewegung der islamischen Scharia-Gerichte, die 2006 zumindest etwas Stabilität in die Hauptstadt Mogadischu und den Süden des Landes brachte, bevor sie von äthiopischen Truppen abgesetzt wurde.

Experten geben Ahmad eine Chance, die Somalier wieder zu zusammenzuführen. In dem Land wird allerdings seit 18 Jahren, seit dem Sturz von Siad Barre, gekämpft. Derzeit gibt es kaum funktionierende staatliche Strukturen. Die Wahl ist Teil eines Friedenplanes der Vereinten Nationen. Militante Islamistengruppen hatten bereits vor der Wahl neue Anschläge angekündigt.

Ahmad wird nun zunächst zu einem Treffen der Afrikanischen Union am Sonntag in Äthiopien erwartet. Erst danach fliegt er in seine Heimat, um den Versuch einer Regierung der nationalen Einheit zu unternehmen.

Tod und Elend seit 18 Jahren

In den vergangenen zwei Jahren sind mindestens 16 000 Zivilisten und eine unbekannte Zahl von Kämpfern in dem Aufstand von Islamisten gegen die Regierung und ihre äthiopischen Verbündeten umgekommen. Eine Millionen Menschen sind vertrieben worden, jeder dritte Somalier ist auf internationale Lebensmittelspenden angewiesen. Hilfsorganisationen sprechen von einer der schlimmsten humanitären Krisen weltweit.

Die Gesetzlosigkeit an der Küste nutzten somalische Piraten, um in den Gewässern am Horn von Afrika Handelsschiffe zu kapern und Lösegelder zu erpressen. (sda)

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