Aktualisiert 17.02.2012 12:54

Aufruhr in Hombrechtikon

Gemeinde reagiert auf Neonazi-Umzug

Ein Neonazi-Umzug hat Hombrechtikon aufgeschreckt. Jetzt will die Zürcher Gemeinde den Vorfall untersuchen. An einen Rückfall in alte Zeiten glauben die Verantwortlichen nicht.

von
fum/lüs
Die Neonazis zogen mit Fackeln und einem Transparent mit der Aufschrift «Kein Vergeben, kein Vergessen, 13. Februar 1945» durch Hombrechtikon.

Die Neonazis zogen mit Fackeln und einem Transparent mit der Aufschrift «Kein Vergeben, kein Vergessen, 13. Februar 1945» durch Hombrechtikon.

In Hombrechtikon ist die Hölle los. Seit 20 Minuten enthüllte, dass am Montagabend in Hombrechtikon ein Neonazi-Fackelzug stattgefunden hat, sind die Telefonleitungen der Gemeindeverwaltung überlastet und die gewünschten Personen nur schwer erreichbar. Nun hat der Gemeinderat eine Pressemitteilung versandt: Er bekräftigt darin noch einmal, dass er bis gestern keine Kenntnis vom Vorfall hatte. Auch Reklamationen oder Schadensmeldungen seien nicht eingegangen.

Doch die Ereignisse bleiben nicht ohne Folgen. Der Gemeinderat klärt, inwiefern «der Fackelzug allfällig gegen bestehendes Recht verstossen hat». Eine Bewilligung sei auf jeden Fall nicht erteilt worden, rechtliche Schritte behalte man sich vor. Weitere Auskünfte will weder der Gemeindeschreiber noch der –präsident erteilen.

Gestern waren die Verantwortlichen noch redseliger: Warum die Neonazis ausgerechnet nach Hombrechtikon gekommen seien, könne er sich nicht erklären, sagte Gemeindepräsident Max Baur auf Anfrage. «Wir hatten früher mal Probleme mit jungen Neonazis», so Baur.

Neonazi-Band verurteilt

In der Tat geben Neonazis in Hombrechtikon nicht zum ersten Mal zu reden. So versammelten sich an der traditionellen Chilbi jahrelang Rechtsextreme im Festzelt, einige reisten gar aus Deutschland an. Schlägereien und Unruhen waren die Folge. Im Juni 2010 wurden zudem vier Mitglieder einer Band wegen Rassendiskriminierung und weiteren Vergehen verurteilt. Der Sänger stammte aus Hombrechtikon, der Schlagzeuger aus dem benachbarten Wolfhausen.

Gemäss Gemeindepräsident Baur hat sich das Problem mittlerweile entschärft – bis vergangenen Montag. Nun hofft er, dass sich eine solche Aktion nicht wiederholt. Wie Rechtextremismus-Experte Hans Stutz sagt, bleibt dies womöglich ein frommer Wunsch: «Dieser Fackelzug deutet jedenfalls darauf hin, dass es im grösseren Umkreis von Hombrechtikon wieder eine grössere, aktive rechtsextreme Szene gibt.»

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