Räubernetzwerk: Gemeindepräsident getötet – Mordprozess an geheimem Ort

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RäubernetzwerkGemeindepräsident getötet – Mordprozess an geheimem Ort

Vor zehn Jahren wurde der Gemeindepräsident von Metzerlen-Mariastein SO bei einem Überfall in seinem Haus getötet. Im Dezember stehen die Tatverdächtigen vor Gericht. Wo die Verhandlung stattfindet, bleibt aus Sicherheitsgründen geheim.

von
Oliver Braams
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Bei einem brutalen Überfall in seinem Haus am 14. März 2010 wurde Ivo Borer, Gemeindepräsident von Metzerlen-Mariastein SO, so heftig zusammengeschlagen, dass er vier Monate später im Spital starb.

Bei einem brutalen Überfall in seinem Haus am 14. März 2010 wurde Ivo Borer, Gemeindepräsident von Metzerlen-Mariastein SO, so heftig zusammengeschlagen, dass er vier Monate später im Spital starb.

metzerlen.ch
Anfang Dezember 2020 stehen die mutmasslichen Täter vor Gericht – an einem geheimen Ort, wie die BZ berichtet.

Anfang Dezember 2020 stehen die mutmasslichen Täter vor Gericht – an einem geheimen Ort, wie die BZ berichtet.

Wikimedia/Yesuitus2001
«Es geht um die Sicherheit aller am Prozess Beteiligten», sagt Mario Paganoni, Mitarbeiter des Richteramts, gegenüber der Zeitung.

«Es geht um die Sicherheit aller am Prozess Beteiligten», sagt Mario Paganoni, Mitarbeiter des Richteramts, gegenüber der Zeitung.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Vor zehn Jahren wurde der Gemeindepräsident von Metzerlen-Mariastein SO getötet.

  • Anfang Dezember stehen die Tatverdächtigen vor Gericht.

  • Der Prozess wird an einem geheimen Ort stattfinden.

  • Die Angeklagten sollen mit einem international tätigen Räubernetzwerk in Verbindung stehen.

Am 14. März 2010 wurde in der an Frankreich grenzenden Gemeinde Metzerlen-Mariastein SO der damalige Gemeindepräsident Ivo Borer (†71) zu Hause überfallen und dabei so heftig zusammengeschlagen, dass er vier Monate nach der Tat im Spital starb. Zwischen dem 7. und dem 11. Dezember 2020 stehen die mutmasslichen Täter vor Gericht. Wie die BZ berichtet, wird der auf fünf Tage veranschlagte Prozess an einem geheimen Ort durchgeführt.

Gemäss Untersuchungsergebnis hatten die Beschuldigten einen Tipp erhalten, wonach es in diesem Einfamilienhaus in Metzerlen grosse Vermögenswerte geben soll.

«Es geht um die Sicherheit aller am Prozess Beteiligten», sagt Mario Paganoni, Mitarbeiter des Richteramts, gegenüber der Zeitung. Denn: Angeklagt sind unter anderen zwei Männer mit Verbindungen zu einer international agierenden Juwelen-Räuberbande.

Verbindungen zu den Pink Panthers

Die Solothurner Staatsanwaltschaft bestätigte im Juni 2018, dass Hinweise vorliegen, dass die Beschuldigten als Mitglieder einer international agierenden Organisation gehandelt haben. Die Drahtzieher der Tat sollen der berüchtigten Juwelen-Diebesbande Pink Panthers angehören, deren Mitglieder meist aus den Balkanstaaten stammen.

Bei den Hauptbeschuldigten handelt es sich um einen Holländer und um einen Serben. Die Staatsanwaltschaft Solothurn klagt sie wegen Mordes und bandenmässigen Raubes an. Beim mutmasslichen Auftraggeber des Raubüberfalls handelt es sich um einen 66-jährigen Serben. Er wird wegen qualifizierten Raubes angeklagt.

Mitbeteiligt sollen auch eine 38-jährige Serbin und eine unterdessen verstorbene Schweizerin gewesen sein. Die beiden Hauptangeklagten müssen sich vor Gericht auch wegen weiterer Raubüberfälle auf Schmuckgeschäfte verantworten. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Frage der Sicherheit

Für das Richteramt Dorneck-Thierstein mit Sitz in Dornach SO dürfte dieser Monsterprozess eines der grössten und aussergewöhnlichsten Verfahren seiner Geschichte sein. Zur Geheimhaltung des Verhandlungsorts entschliesse man sich nur «in Fällen, bei denen die Sicherheit eine zentrale Rolle spielt und sie nicht anders gewährleistet werden kann», sagt Paganoni zur BZ. So werde auch das Urteil, das von einem Dreiergericht gefällt werden wird, erst später kommuniziert.

Weltweit tätig

Juwelenräuber

Pink Panthers ist der Name einer weltweit tätigen Gruppe von Juwelenräubern, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden. Den geschätzten 200 Mitgliedern werden Überfälle zugeschrieben, bei denen sie Schmuck im Wert von mehr als 200 Millionen US-Dollar erbeutet haben sollen.

Die Bande ist weniger eine Diebesbande im klassischen Sinne, sondern eher ein soziales Netzwerk von Profis, aus welchem sich für jede Tat neue Kleingruppen rekrutieren. Die Gemeinsamkeit der Mitglieder ist, dass sie fast alle aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, Serbokroatisch sprechen und grösstenteils in der Armee oder als Milizen im Einsatz waren. Darauf führt Interpol auch ihre Gewandtheit und Skrupellosigkeit im Umgang mit Waffen zurück.

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