Bettler in Thun: Gemeinderat übt Kritik an der Justiz
Aktualisiert

Bettler in ThunGemeinderat übt Kritik an der Justiz

In Thun hat die Bettelei trotz Gegenmassnahmen wieder zugenommen. Jetzt kritisiert der Gemeinderat die Justiz: Das Problem müsse ernster genommen werden.

von
Philipp Probst

Der Kampf gegen die organisierte Bettelei ist eine mühsame Arbeit: Die Bettler würden hartnäckig schweigen und müssten nach sechs Stunden Polizeigewahrsam wieder entlassen werden, weil die personellen Kapazitäten für aufwändigere Überwachungen fehlen. So blieben die Hintermänner des Treibens unentdeckt. Zu diesem frustrierenden Schluss kommt der Thuner Gemeinderat in der Antwort auf einen politischen Vorstoss der SVP-Fraktion zur Bettler-Problematik. Zudem seien die Strafen bis 5000 Franken geradezu lächerlich – schliesslich gehe es bei der organisierten Bettelei ja Richtung Menschenhandel und Menschenausbeutung.

Der Thuner Gemeinderat übt aber auch Kritik an der Justiz: «Vermutlich wäre schon viel gewonnen, wenn Gerichtspolizei und Strafjustizbehörden das Problem ernster nähmen und die Bekämpfung etwas höher gewichten sowie mehr Ressourcen dafür einsetzen würden», heisst es in der Antwort auf die Interpellation.

Obwohl in Thun wie auch in Bern kein generelles Bettelverbot herrscht, versuchten die Oberländer mit der Aktion «Adiós» im Sommer 2009 die Bettler zu vertreiben – mit ansehnlichem Erfolg. Dennoch musste der Thuner Gemeinderat feststellen, dass die Bettelei in der Vorweihnachtszeit wieder zugenommen hat.

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