Stadt Zürich: Gemeinderat: Viele Lehrer, wenig Gewerbler
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Stadt ZürichGemeinderat: Viele Lehrer, wenig Gewerbler

Der Gemeinderat sollte ein Abbild der Stadtzürcher Bevölkerung sein, auch bei den Berufen. Akademiker sind jedoch deutlich übervertreten.

von
David Torcasso

Der Gemeinderat wird von den Bürgern der Stadt Zürich gewählt und sollte die Bevölkerung bestmöglichst repräsentieren. Doch das 125-köpfige Parlament entspricht gerade bei den Berufen nicht wirklich den über 200 000 Erwerbstätigen.

Obwohl zum Beispiel nur rund 7% der Stadtzürcher unterrichten, sind prozentual doppelt so viele Lehrer im Gemeinderat vertreten. Auch Parlamentarier, die in Gesundheits- und Sozialberufen tätig sind, haben im Rat einen um einen Drittel höheren Anteil als in der Bevölkerung. Hinzu kommen auffällig viele mit Forschungs- und Kreativberufen: etwa Umweltwissenschaftler, Software-Entwickler, Architekten oder gar ein Urbanist.

«Akademiker sind übervertreten, weil sie den Zugang zur Politik leichter finden. Die Parteien in Zürich sind sehr akademisch geprägt», sagt Politexperte Michael Hermann. Zudem sei Parlamentsarbeit attraktiv für Teilzeitbeschäftigte. «Deshalb sitzen viele Lehrer und Sozialarbeiter im Rat», so Hermann. Hingegen sind Berufsleute aus den Bereichen Industrie, Bau und Gastronomie im Parlament nur halb so stark vertreten wie im Volk. Gerade mal ein Gemeinderat ist Wirt. «In diesen Branchen sind eben auch viele Ausländer tätig, die nicht wählen können.» Es mangelt aber auch an Gewerblern: «Kleinunternehmer haben schlichtweg keine Zeit für Politik», so Hermann.

Marina Garzotto höchste Zürcherin

Der Zürcher Gemeinderat hat am Mittwoch die 66-jährige Marina Garzotto zur höchsten Stadtzürcherin gewählt. Sie ist damit die erste SVP-Frau, die an der Spitze des Stadtparlamentes steht. «Ich möchte den Rat gerecht führen», sagte sie. Den zahlreichen neuen Gemeinderäten hat Garzotto im Vorfeld der gestrigen ersten Sitzung der neuen Legislatur bei einem Treffen bereits erläutert, wie das Parlament funktioniere und wie sie das Amt führen werde.

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