Statistik: Gemischte Ehen sind eher zum Scheitern verurteilt
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StatistikGemischte Ehen sind eher zum Scheitern verurteilt

Heiraten Personen aus der Türkei oder dem Balkan einen Schweizer, geht das sehr oft schief. Die Gründe sind vielfältig.

von
daw
Nach der süssen Hochzeitstorte folgt das böse Erwachen: Gemischte Ehen scheitern im Schnitt öfter.

Nach der süssen Hochzeitstorte folgt das böse Erwachen: Gemischte Ehen scheitern im Schnitt öfter.

Keystone/Christian Beutler

Liebende geben sich das Jawort und schwören sich ewige Liebe. Doch längst nicht immer kann das Eheversprechen eingehalten werden. Dass eine Ehe in die Brüche geht, ist bei Paaren unterschiedlicher Herkunft wahrscheinlicher, wie die Forscherinnen Gina Potarca und Laura Bernardi in einem Beitrag im Newsletter «Demos» des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen.

Laut der Auswertung beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Ehe zwischen einer gebürtigen Schweizerin und einem gebürtigen Schweizer auch nach 20 Jahren noch hält, 82 Prozent. Bei gemischten Ehen mit einem Migranten oder einer Migrantin liegt die Wahrscheinlichkeit bei gut 75 Prozent.

Schweiz und Balkan hält oft nicht

Gemäss den Berechnungen der Forscherinnen stehen die Chancen besonders schlecht, wenn Schweizer und Personen aus dem Balkan oder der Türkei eine Ehe schliessen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Ehe nach 20 Jahren noch hält, beträgt nur gerade 28 Prozent. «Die kulturellen Unterschiede, aber auch die Inkompatibilität der Lebensstile ist bei diesen Paaren grösser als bei einer Ehe zwischen Schweizern und Personen aus Südeuropa oder Westeuropa», zitieren die «Neue Luzerner Zeitung» und das «St. Galler Tagblatt» Studienautorin Potarca.

Laut Potarca machen auch unterschiedliche Religionen die Sache nicht eben leichter: «Oft kommen bei diesen Personen viel stärkere kulturelle Normen zum Tragen.» Der Druck, den die Familien auf die Paare ausübten, sei bei solchen Ehen viel stärker, wie mehrere Studien gezeigt hätten. Das Stigma interreligiöser Paare sei derart stark, dass der Druck auch mit der Zeit nicht abnehme.

Migranten heiraten eher Migranten

Ein weiterer Grund ist laut der Forscherin der Uni Lausanne, dass Personen aus dem Balkan und der Türkei im Schnitt auch wirtschaftlich schlechter integriert sind als Menschen aus Süd- und Westeuropa. «Der Stress, der sich daraus ergibt, überträgt sich oft auch auf die Ehe und verursacht zusätzliche Probleme.»

Laut den Berechnungen hat die Wahrscheinlichkeit, dass ein Migrant oder eine Migrantin einen gebürtigen Schweizer oder eine gebürtige Schweizerin heiratet, in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Die These der Forscherin: Durch das Wachstum der ausländischen Bevölkerung ist die Auswahl an Personen gleicher Herkunft grösser. Zudem erleichterten Online-Portale die Suche nach Personen gleicher Herkunft.

Im Interview mit der «Neuen Luzerner Zeitung» übt Paartherapeut Klaus Heer scharfe Kritik an der Studie: «Ich halte das für einen nicht relevanten Zufallsbefund. Daraus abzuleiten, dass Mischehen mit Menschen aus dem Balkan instabiler seien als andere, ist unseriös, wenn nicht sogar indirekt rassistisch. Zumindest zeugt es von stereotypem Denken.» Statistische Ergebnisse seien nie wirklich gesichert, sie schwankten allemal von Jahr zu Jahr.

Führen Sie eine gemischte Ehe oder haben Sie einmal eine geführt? Warum klappt es oder warum hat es nicht funktioniert? Haben die Forscherinnen recht? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte.

Die Studie

Gemäss der Definition des Bundesamts für Statistik (BFS) gelten als gebürtige Schweizerinnen bzw. Schweizer Personen, die zum Zeitpunkt der Geburt Schweizer Staatsangehörige waren und die mindestens einen in der Schweiz geborenen Elternteil haben. Als Personen mit Migrationshintergrund gelten Personen, bei denen beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Die Analyse beruht auf einer Befragung von 13'033 Personen durch das BFS.

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