Aktualisiert 18.05.2008 19:18

Gemischter Mastersalat in Schweizer Hochschulküche

Mit der Bologna-Reform werden nationale und internationale, akademische Titel vereinheitlicht. Aber nicht übersichtlicher.

von
Markus Arnold

2002 hatte Jessica R. an der Universität Freiburg ihren Abschluss (lic. iur.) gemacht. Sie gehört somit zu den letzten Jahrgängen, die ihr Studium nach dem alten System absolvierten. Mit der sogenannten Bologna-Reform werden die Abschlüsse seit einigen Jahren national und international vereinheitlicht. Das Lizenziat der Rechtswissenschaft von Jessica R. entspricht heute dem Master of Law oder kurz: M Law. Hätte sie in St. Gallen studiert, dürfte sie den Titel Master of Arts (M A) tragen, wäre sie Psychologin, hätte sie den Titel – je nach Universität – M A oder M Sc. Auch die Schweizer Fachhochschulen vergeben den Master of Arts und den Master of Science sowie den Weiterbildungstitel Master of Advanced Studies MAS oder Executive Master of Business Administration EMBA. Die Erlangung des Fachhochschul-Masters erlaubt aber – im Gegensatz zum universitären Master-Titel – den Zugang zum Doktorat nicht.

Im Prinzip herrscht dank der Reform grössere Transparenz bei den Titeln. Doch die ähnlich tönende Bezeichnung sei schon ein wenig verwirrend, gibt Susanne Obermayer, zuständig für die Bologna-Koordination bei der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten, zu. «Diese Bezeichnungen haben sich jedoch bereits eingebürgert.» Jessica R., die heute als Gerichtsschreiberin arbeitet, wird ihren akademischen Titel vorläufig behalten. «Der Lizenziats-Abschluss ist bei uns Juristen heute noch viel gebräuchlicher.» Sollte sich dies einmal ändern, oder sollte sie einmal im Ausland arbeiten, wäre eine Gleichwertigkeitsbescheinigung bei ihrer Universität schnell eingeholt.

Was tun mit alten Titeln?

Wer seinen früheren Abschluss an einer Universität – zum Beispiel ein Diplom oder ein Lizenziat – auch als «Bologna-Titel» bestätigen lassen möchte, kann bei der Universität, an der das Diplom erworben wurde, eine Gleichwertigkeitsbescheinigung einholen. Man darf jedoch nicht, zum Beispiel bei einer Visitenkarte, den alten und den neuen Titel gleichzeitig angeben, weil dadurch der Eindruck entstehen könnte, man hätte zwei Studiengänge absolviert.

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