10.07.2015 08:21

Vertikale Farmen

Gemüse aus dem Wolkenkratzer

Die Landwirtschaft wird immer industrieller: Gemüse aus Fabrikhallen soll bald die Menschen in Grossstädten ernähren.

von
Claudia Hoffmann
Vertikale Farmen sind in Japan und den USA bereits Realität.

Vertikale Farmen sind in Japan und den USA bereits Realität.

So könnte die Landwirtschaft der Zukunft aussehen: Gurken, Salat und Kräuter wachsen nicht auf Feldern, sondern in Fabrikhallen oder Hochhäusern. Auf mehreren Etagen gedeihen Pflanzen in Gestellen, versorgt mit künstlicher Nährlösung, beleuchtet von LED-Lampen und bei immer gleichbleibender Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Was futuristisch anmutet, ist in Ländern wie Singapur, Japan und den USA bereits Realität. Dort stehen die ersten sogenannten vertikalen Farmen. Diese sollen die wachsende Stadtbevölkerung mit Gemüse versorgen, das sich auf engstem Raum und während des ganzen Jahres produzieren lässt. Mit ökologischen Vorteilen: Das System kommt mit wenig Wasser und Pestiziden aus.

Hohe Energiekosten

Wird es solche vertikalen Farmen bald auch in der Schweiz geben? «Das halte ich für unwahrscheinlich», sagt Gartenbauexperte Alex Mathis von der Zürcher Fachhochschule ZHAW. Denn die Energiekosten für eine künstliche Beleuchtung mit LEDs seien derzeit so hoch, dass Indoor-Farmen hierzulande nicht rentabel wären.

In der Schweiz gedeiht Gemüse nach wie vor meist in einstöckigen Gewächshäusern und bei natürlichem Licht. Aber auch hier wird es immer seltener in Erde, dafür immer häufiger in einem künstlichen Substrat wie Schaumstoff gezogen (siehe Box). Bereits etwa 40 Prozent der in der Schweiz produzierten Tomaten stammen aus solchen Hors-sol-Kulturen – Tendenz steigend.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

Salat ohne Erde

Bisher werden in der Schweiz vor allem Tomaten und Gurken ohne Erde gezüchtet. Die Waadtländer Firma CombaGroup will nun als erste in der Schweiz Kopfsalat produzieren, der ohne Erde und in automatisierten Treibhäusern wächst. Die in der Luft hängenden Wurzeln werden über einen feinen Sprühnebel mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Das verbraucht zehn Mal weniger Wasser als im Freilandanbau. Der erste so erzeugte Salat soll in einem Jahr in die Regale kommen.

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