Kritische Pegelstände: Gemüse und Früchte dürften wegen Wassermangel teurer werden

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Kritische PegelständeGemüse und Früchte dürften wegen Wassermangel teurer werden

Jetzt wird es ernst im Kanton Luzern: Weil die Wasserstände wegen der anhaltenden Trockenheit sehr tief sind, widerruft der Kanton Luzern die Wasserentnahme, wie etwa zur Bewässerung von Feldern. Betroffen sind vor allem Produzenten von Gemüse und Früchten.   

von
Vanessa Federli
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Wasserentnahmen aus Gewässern, zum Beispiel für die landwirtschaftliche Bewässerung, sind im Kanton Luzern  bewilligungspflichtig.

Wasserentnahmen aus Gewässern, zum Beispiel für die landwirtschaftliche Bewässerung, sind im Kanton Luzern  bewilligungspflichtig.

© Christian Pfander/Tamedia AG
Seit letzter Woche sind Wasserentnahmen nur noch aus Bächen und Seen möglich, wo es die Wasserstände zulassen. 

Seit letzter Woche sind Wasserentnahmen nur noch aus Bächen und Seen möglich, wo es die Wasserstände zulassen. 

© Christian Pfander/Tamedia AG
Je nach Entwicklung der Wetterlage in den nächsten Tagen müssen erteilte Entnahmebewilligungen für alle weiteren Gewässer, die einen zu tiefen Wasserstand aufweisen, widerrufen werden. 

Je nach Entwicklung der Wetterlage in den nächsten Tagen müssen erteilte Entnahmebewilligungen für alle weiteren Gewässer, die einen zu tiefen Wasserstand aufweisen, widerrufen werden. 

Madeleine Schoder

Darum gehts

  • Mit einer entsprechenden Bewilligung konnten landwirtschaftliche Betriebe zum Bewässern ihrer Felder das Wasser aus Gewässern beziehen. 

  • Aufgrund der anhaltenden Hitze sind die Wasserstände der Gewässer aber aktuell ausserordentlich tief. Deshalb hat der Kanton Luzern die Bewässerungsbewilligungen in mehreren Gemeinden widerrufen.

  • Für die Landwirte könnte das teure Ertragsausfälle bedeuten, da vor allem Gemüse und Früchte regelmässig und viel Wasser benötigen.

  • Der tiefe Wasserpegel beeinträchtigt auch die Fische; so hat die kantonale Fischereiaufsicht in dieser Woche mit Notabfischungen in vielen Gebieten des Kantons Luzern begonnen.

Jetzt machen die heissen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit den Bauern im Kanton Luzern zu schaffen. Bisher konnten etwa landwirtschaftliche Betriebe zum Bewässern ihrer Felder das Wasser aus Gewässern entnehmen. Dies zumindest, wenn ihnen dieses Vorgehen bewilligt worden ist. Davon profitiert haben einige Bauern in den Gemeinden Beromünster, Egolzwil, Escholzmatt-Marbach, Ettiswil, Römerswil, Sempach, Rickenbach und Zell.

«Es handelt sich um eine ausserordentliche Situation.»

Manuel Kunz, Teamleiter Oberflächengewässer der Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern 

«Seit letzter Woche sind Wasserentnahmen nur noch aus Bächen und Seen möglich, wo es die Wasserstände zulassen. Dies ist beispielsweise am Vierwaldstättersee, an der Reuss und am Sempachersee der Fall, die zurzeit noch ausreichende Wasserstände aufweisen», teilte die Dienststelle Umwelt und Energie am Mittwoch mit. Doch jetzt spitze sich die Situation im Kanton Luzern zu, wie die Stelle weiter mitteilte: «Je nach Entwicklung der Wetterlage in den nächsten Tagen müssen erteilte Entnahmebewilligungen für alle weiteren Gewässer, die einen zu tiefen Wasserstand aufweisen, widerrufen werden.» Die Betroffenen würden noch schriftlich darüber informiert. 

«Es handelt sich um eine ausserordentliche Situation», sagt Manuel Kunz, Teamleiter Oberflächengewässer der Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern: «Es ist alles vom Wetter abhängig. Wir hoffen auf anhaltenden Regen und somit eine nachhaltige Erholung der Gewässer.» Mit anderen Worten: Wie lange der Widerruf anhalten wird, ist noch unklar.

Teure Ertragsausfälle für die Bauern

In erster Linie betroffen sind vor allem Landwirtschaftsbetriebe, die Gemüse und Früchte anbauen. Sie würden das Wasser dringend benötigen, denn sie müssen das Gemüse und die Früchte regelmässig und oft bewässern. «Viele Landwirte haben eine eigene Wasserbezugsquelle. Wenn diese aber nicht mehr ausreicht, müssen sie auf die Bewilligung der öffentlichen Wasserversorgung ausweichen und dies zieht wieder Kosten mit sich. Wenn diese nicht genehmigt wird, stehen sie vor grossen Problemen», sagt Raphael Felder, stellvertretender Geschäftsführer des Luzerner Bauernverbandes. «Durch die Trockenheit brauchen die Früchte und das Gemüse eine noch viel intensivere Bewässerung als üblich. Wenn Wasser nicht in genügender Menge vorhanden ist, kann dies zu teuren Ertragsausfällen führen», sagt Felder weiter. Und dies bedeutet in der Folge, dass die Konsumenten für Früchte und Gemüse tiefer in die Tasche greifen müssen.

Für die Fische hat der tiefe und zu warme Wasserstand tödliche Folgen 

Für die Wassertiere kann die Hitzeperiode fatale und sogar tödliche Folgen haben. Aktuell sind alle Wassertiere und besonders Fische ernsthaft bedroht. Die kantonale Fischereiaufsicht der Dienststelle Landwirtschaft und Wald hat in dieser Woche bereits Notabfischungen in verschiedenen Gebieten des Kantons Luzern durchgeführt. «Wir haben vorwiegend Gewässer der Forellenregion. Kaltwasserarten wie Forellen reagieren auch am stärksten auf hohe Temperaturen, fehlende Fliessgeschwindigkeit und geringen Sauerstoffgehalt. Eine Wassertemperatur von über 24 Grad kann für eine Forelle bereits tödlich sein», sagt Peter Ulmann, Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald. 

Auch vereinzelte, lokale Regenschauer oder Gewitter können die Situation nicht entschärfen. «Wir rechnen aktuell nicht damit, dass sich die Situation entspannt – im Gegenteil, sie könnte sich noch weiter verschärfen», so Ulmann. Der Regen in den letzten 14 Tagen habe wenig zur Verbesserung der Situation beigetragen.  

Der Kanton Schwyz hat die Bevölkerung bereits angehalten, mit dem Trinkwasser sparsam umzugehen. Dieser Aufforderung schliesst sich auch der Kanton Luzern an. 

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