Seeland: Gemüsebauern bewässern so früh wie noch nie
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SeelandGemüsebauern bewässern so früh wie noch nie

Im Grossen Moos, dem «Gemüsebeet» der Schweiz, laufen die Bewässerungsanlagen heiss - wegen der Trockenheit. Das ist ungewöhnlich im April.

Im Grossen Moos, einem der grössten Gemüseanbaugebiete in der Schweiz, laufen die Bewässerungsanlagen auf Hochtouren. Das ist ungewöhnlich im April.

Im Grossen Moos, einem der grössten Gemüseanbaugebiete in der Schweiz, laufen die Bewässerungsanlagen auf Hochtouren. Das ist ungewöhnlich im April.

Hans-Peter Kocher von der Gemüseproduzenten-Vereinigung Kantone Bern und Freiburg berät Gemüsebauern im Seeland seit 40 Jahren. «Ich kann mich nicht erinnern, dass schon jemals so früh bewässert werden musste», sagte er am Montag. Im Frühling regne es in der Regel genug, sodass erst im Hochsommer bewässert werden müsse.

Dieses Jahr ist alles anders. Laut Kocher sind in Ins BE, im Herzen des Grossen Mooses, seit Anfang Jahr 80 Millimeter Regen gefallen. Das ist nur etwa ein Drittel der normalen Regenmenge in den ersten vier Monaten des Jahres.

Ideale Bedingungen

«Wenn es derart trocken ist, gehen die Saaten schlecht und unregelmässig auf», sagte Kocher. Zuckerrüben etwa würden unter diesen Umständen unregelmässig wachsen, was zu einem tieferen Zuckergehalt führe. Auch Salate und andere Kulturen im Freiland litten unter Wassermangel.

Um dies zu verhindern, haben die Gemüsebauern ihre Pumpen bereits voll aufgedreht. «Sie sind ausgerüstet, und sie müssen die Anlagen auch nutzen», sagte Kocher. Produzenten, die nur liefern könnte, wenn es ohnehin einen Überschuss gebe, seien für die grossen Abnehmer uninteressant. «Liefersicherheit ist heute wichtiger als die Qualität und der Preis.»

Dank Bewässerungsanlagen sind die Bauern laut Kocher in dieser Hinsicht abgesichert: «Dieses Jahr konnte alles unter idealen Bedingungen gesät und gepflanzt werden.» Nach seinen Angaben gedeihen die bewässerten Pflanzen so gut, dass bereits Überschüsse befürchtet werden.

Gut gefüllte Reservoirs

Das Wasser, das im grossen Moos auf die Felder gepumpt wird, stammt in der Regel aus der Broye oder dem Hagneck-Kanal. Deren Wasserstände können seit der 2. Juragewässerkorrektion reguliert werden, sodass hier trotz Bewässerung vorerst keine Knappheit droht. Anders sieht es in Hanglagen aus oder im Gebiet der Biberen im Kanton Freiburg: «Dort könnte das Wasser unter Umständen knapp werden.»

Noch ist es nicht soweit: Trotz Trockenheit sind die Grundwasserreservoirs im Seeland gut gefüllt. Die Pegel der Messtationen Worben, Kappelen oder Lyss liegen im langjährigen Mittel für den Monat April oder nur leicht darunter.

(sda)

Akute Waldbrandgefahr

Wegen der Trockenheit herrscht in vielen Teilen des Landes akute Waldbrandgefahr. Trotz Feuerverboten kommt es immer wieder zu Waldbränden, zuletzt im Berner Bremgartenwald. Glarus, Freiburg, Wallis und St. Gallen haben zur Vorsicht aufgerufen. Grosse Waldbrandgefahr herrscht insbesondere im Wallis, im Berner Unterland sowie in der Region Thun.

«Die Statistiken zeigen, dass es über Wochenenden und Feiertage deutlich mehr Waldbrände gibt», sagte Michael Reinhard von der Abteilung Wald im Bundesamt für Umwelt (BAFU). Grund dafür ist nach seinen Angaben, dass Waldbrände vor allem durch Nachlässigkeit ausgelöst werden. Das BAFU ruft deshalb zu grösster Vorsicht beim Feuern im Freien auf. Einige Kantone haben bereits Verbote erlassen. Im Tessin ist das Feuern im Freien generell untersagt, in der Waadt und in Graubünden im Wald oder in Waldnähe.

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