Anwohnerin über Demonstration - «Genau diese Leute landen dann bei uns im Spital»
Publiziert

Anwohnerin über Demonstration«Genau diese Leute landen dann bei uns im Spital»

M.L. erlebte die Demo von Rapperswil als Anwohnerin aus der Nähe. Die Fachfrau Gesundheit stört, dass die Massnahmen-Gegner Ansteckungen riskieren. «Ich habe in einem Heim gearbeitet, wo fast die Hälfte der Bewohner an Corona starb», sagt sie.

von
Lucas Orellano

In Rapperswil demonstrierten Tausende gegen die Corona-Massnahmen.

20 min/News-Scout

Darum gehts

  • M.L. ist Fachfrau Gesundheit und ärgert sich über die Teilnehmenden der Corona-Massnahmen-Demo in Rapperswil.

  • Sie kritisiert, dass die Polizei nicht eingeschritten ist.

  • «Genau solche Personen erkranken dann an Corona und binden unsere Kräfte», sagt sie.

Mehrere tausend Demonstrierende versammeln sich am Samstag in Rapperswil SG, um gegen die Corona-Massnahmen zu protestieren. Unerlaubt. M.L.* erlebte die Demo aus der Nähe, denn sie wohnt am Fischmarktplatz, wo sich die Massnahmen-Gegner am Nachmittag versammelten. «Ich habe mich auf ein ruhiges Wochenende gefreut. Als Fachfrau Gesundheit habe ich fast nie am Wochenende frei. Wenn ich heute Nachtdienst gehabt hätte, wäre das ein Problem gewesen, denn ich hätte wohl kein Auge zugetan», sagt sie.

Dass die Polizei die Demonstrantinnen und Demonstranten gewähren liess, obwohl es für die Aktion keine Bewilligung gab, ist für M.L. unverständlich: «Ich frage mich, wie man bei Frauendemonstrationen für Gleichberechtigung die Demonstrierenden zusammenschlagen kann, aber Corona-Demonstrationen einfach toleriert werden», sagt sie.

1 / 5
Mehrere tausend Demonstrierende versammeln sich am Samstag in Rapperswil SG, um gegen die Corona-Massnahmen zu protestieren.

Mehrere tausend Demonstrierende versammeln sich am Samstag in Rapperswil SG, um gegen die Corona-Massnahmen zu protestieren.

20min/News-Scout
Solche Demos seien respektlos und derzeit einfach nicht angebracht, sagt M.L.

Solche Demos seien respektlos und derzeit einfach nicht angebracht, sagt M.L.

20min/News-Scout
«Ich frage mich, wie man bei Frauendemonstrationen für Gleichberechtigung die Demonstrierenden zusammenschlagen kann, aber Corona-Demonstrationen einfach toleriert werden», sagt Nachbarin M.L. 

«Ich frage mich, wie man bei Frauendemonstrationen für Gleichberechtigung die Demonstrierenden zusammenschlagen kann, aber Corona-Demonstrationen einfach toleriert werden», sagt Nachbarin M.L.

20min/News-Scout

«Diese Leute nehmen keine Rücksicht»

«Solche Demos sind respektlos und derzeit einfach nicht angebracht. Diese Leute nehmen keine Rücksicht auf andere und riskieren Ansteckungen», sagt L. «Einige wollten ohne Maske in einen McDonald’s und mussten von einem Mitarbeiter abgewiesen werden. Andere sind auf dem Vorplatz auf den Tischen herumgestanden.»

Was die Pandemie für Auswirkungen haben kann, hat sie selbst erlebt: «Vor meinem aktuellen Arbeitgeber war ich in einem Alters- und Pflegeheim angestellt. Dort starb fast die Hälfte der 20 Bewohnerinnen und Bewohner am Coronavirus.»

Als Fachfrau Gesundheit mache sie sich auch wegen Demonstrationen Sorgen um die Gesundheitsinstitutionen. «Genau solche Personen erkranken dann an Corona und binden unsere Kräfte. Und währenddessen gibt es Personen, die sich an die Regeln gehalten haben, sich trotzdem infizieren und auch auf unsere Pflege angewiesen sind. Wir haben bei uns immer wieder Leute, die an Massnahmen-Demonstrationen waren und das Virus nicht ernstgenommen haben. Wenn sie dann selber betroffen sind, nehmen sie es dann aber meistens plötzlich ernst.»

* Name der Redaktion bekannt.

Das sagt die Polizei

Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, verteidigt das Vorgehen im Interview mit 20 Minuten. Man müsse immer abwägen. «Es gibt Befürworter der Massnahmen und Gegner. Das Volk, wie die Politik, sind gespalten. Die Polizei kann machen, was sie will, sie ist immer dazwischen und muss versuchen, das Gesetz durchzusetzen, aber auch die Verhältnismässigkeit wahren. Wir machen nicht nichts», so der Sprecher.

Später gab die Polizei in einer Medienmitteilung bekannt, sie habe 45 Menschen weggewiesen und zwei verhaftet .«Die Einsatzleitung hatte nebst den Verstössen gegen die Covid-Vorschriften noch weitere Rechtsgüter abzuwägen. Dazu gehörte zum Beispiel die Gefahr von Gruppendynamiken und damit verbundenen Sachbeschädigungen oder gar verletzte Personen», schreibt die Polizei. «Dass dies auf Seiten der Gegner der heutigen Veranstaltung auf Kritik stösst, ist verständlich – ein hartes Durchgreifen wäre rechtstaatlich nicht zu verantworten gewesen.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung