Aktualisiert

Gene bestimmen Orgasmusfähigkeit

Die weibliche Fähigkeit, beim Sex zum Orgasmus zu kommen, wird laut einer britischen Studie zumindest teilweise von den Genen bestimmt.

«Das wirkt beunruhigend, denn einige Frauen werden denken 'Oh Gott, ich kann es einfach nicht'», sagt die Sexualforscherin Virginia Sadock von der Universität New York. «Andererseits entlastet es von einer Art Schuld oder Druck.» So wichtig die Rolle der Gene auch sein mag - die Experten stimmen grundsätzlich darin überein, dass auch Frauen mit ungünstigem Erbmaterial zum sexuellen Höhepunkt gelangen können.

In der britischen Studie befragten Forscher des St.-Thomas-Hospitals in London mehr als 4.000 Frauen, jeweils zur Hälfte eineiige und zweieiige Zwillinge. Dabei berichtete jede dritte Frau, nie oder kaum jemals beim Geschlechtsverkehr einen Orgasmus zu bekommen. Jeder fünften Frau bleibt dieser Genuss auch bei Selbstbefriedigung verwehrt. Während sich diese Zahlen mit den Resultaten früherer Studien decken, erregte ein anderes Teilergebnis die Aufmerksamkeit der Forscher. Bei eineiigen Zwillingen ist die Wahrscheinlichkeit, dass entweder beide Geschwister Probleme oder aber beide keine Schwierigkeiten mit dem Orgasmus haben, höher als bei zweieiigen Zwillingen. Dafür, so die Folgerung, muss das Erbmaterial verantwortlich sein.

Anhand ihrer Daten berechneten die Wissenschaftler, dass das Problem, beim Geschlechtsverkehr keinen Höhepunkt zu erfahren, zu etwa 34 Prozent genetisch bedingt ist. Derartige Schwierigkeiten bei der Selbstbefriedigung führen die Forscher sogar zu 45 Prozent auf eine ungünstige Genkombination zurück.

Einflussfaktoren individuell verschieden

Das Resultat der Studie deckt sich mit den Erfahrungen der Sexualforscherin Laura Berman von der Northwestern University in Evanston. «Viele Frauen, die ich behandele, erzählen mir, dass ihre Geschwister oder Mütter in Gesprächen oft ähnliche Probleme schildern.» Aber selbst wenn Frauen ungünstige genetische Faktoren erben, gibt es viele Möglichkeiten, die Fähigkeit zum Orgasmus zu verbessern. «Die Einflussfaktoren sind individuell verschieden», betont Sadock. «Wir wissen, dass Frauen in ihrer Sexualität psychologisch komplizierter sind als Männer. Ein wichtiger Faktor ist, ob sie in einer Beziehung leben, in der sie sich geliebt und sicher fühlen. Andere wichtige Punkte sind, was sie über sich selbst und über Sex fühlen, und wie ihre ersten Erfahrungen waren.»

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Erbmaterial einer Frau den Orgasmus absolut unmöglich macht, hält Sadock für äusserst gering: «Es gibt die Möglichkeit, aber das wäre ein geringer Prozentsatz.» Aber selbst in einem solchen Fall: Die Rolle des Orgasmus für ein erfülltes Sexualleben sollte nicht überschätzt werden. In einer Studie untersuchte Berman Frauen, die ein befriedigendes Sexualleben hatten. Ergebnis: Der Orgasmus ist für guten Sex nicht entscheidend. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.