Ottmar Hitzfeld: «Generalprobe, kein Freundschaftsspiel»
Aktualisiert

Ottmar Hitzfeld«Generalprobe, kein Freundschaftsspiel»

Die Schweizer Fussball- Nationalmannschaft nimmt den Test morgen um 20.30 Uhr in Genf gegen Bulgarien ernst. Doch Trainer Ottmar Hitzfeld bleibt dabei trotzdem Freiraum für überraschende Experimente.

Sorgenfalten waren auf der Stirn von Ottmar Hitzfeld, dem Trainer der Schweizer Fussball Nationalmannschaft, keine zu erkennen, obwohl ihn bis zuletzt grosse Personalprobleme plagten. Neben dem Ausfall von Torhüter Diego Benaglio bedurfte vor allem der Doppelausfall von Behrami und Lichtsteiner auf der rechten Seite einer Lösung. Der Nati-Coach zeigte sich dabei durchaus einfallsreich: Gelson Fernandes, der Mittelfeldpuncher von Manchester City, soll diese Lücke ausfüllen.

«Ich wollte einfach keinen Neuling mehr aufbieten», diktierte Hitzfeld in die Notizblöcke der erstaunten Journalisten und erklärte: «Ich erwarte mir von einem Spieler auf dieser Position vor allem viel Laufbereitschaft und eine defensiv solide Partie. Daher entspricht Gelson Fernandes eigentlich diesem Profil, auch wenn er diese Position noch nicht gespielt hat. Wenn er schon im Zentrum kein Stammspieler ist, dann wäre ich natürlich sehr froh, wenn es auf der Seite bei ihm klappt. Das würde uns zusätzliche Flexibilität und Handlungsspielräume geben, um kurzfristig einmal reagieren zu können, auch während einem Match.»

Die Torhüterfrage

«Eigentlich war geplant, dass Diego Benaglio gegen Bulgarien das Tor hüten sollte», stellte Hitzfeld noch einmal fest. Er lobte dann aber Marco Wölfli, der am Mittwoch zwischen den Pfosten stehen wird: «Marco hat gegen Finnland ein gutes Spiel gemacht und ich habe ihn auch zuletzt gegen Basel beobachtet. Da hat er auch stark gespielt.» Sorgen macht sich Hitzfeld zumindest auf der Torhüterposition keine, wobei er gleichzeitig auch klar festhält: «Diego Benaglio ist und bleibt unsere klare Nummer 1. Da brauchen wir jetzt auch keine Diskussion anzuzetteln.»

Die Bedeutung des Spiels

Gegen Finnland zeigte die Nati eine schlechte Leistung. Das gab auch Ottmar Hitzfeld zu und fügte an: «Das war in unseren Köpfen wohl zu sehr ein Freundschaftsspiel.» Doch im Hinblick auf den morgigen Match wurde er dann fordernd: «Ich habe das heute morgen schon der Mannschaft gesagt. Wir müssen mit viel Aggressivität und Laufbereitschaft unser Spiel durchsetzen und dürfen die spielstarken und technisch beschlagenen Bulgaren nicht gewähren lassen. Das erfordert höchste Konzentration von uns. Dieses Spiel ist zwar ein Freundschaftsspiel, aber ich sehe dies ganz klar als eine Generalprobe an. Und mit dieser Einstellung müssen wir auch diese 90 Minuten in Angriff nehmen.»

Taktische Marschroute

Im Gespräch mit 20 Minuten Online verriet Hitzfeld dann auch noch weitere taktische Details. «Unser System wird doch eher ein 4-1-4-1 werden, mit einem Alexander Frei, der sich auch immer wieder einmal ins Mittelfeld zurückfallen lassen wird.» Doch daraus ergibt sich eine andere taktische Grundlage des Offensivspiels. Viel mehr über die Flügel wird es wohl gehen, was Ottmar Hitzfeld dann auch zugibt.

«Es stimmt. Wir wollen das Spiel über die Flügel mehr als taktische Variante nutzen. Gegen einen defensiven Gegner kommt es nicht nur darauf an, das Spiel breit zu machen, sondern vor allem die Spielverlagerung mit einem diagonalen Ball muss eine Waffe von uns werden. Im modernen Fussball wird man doch sehr schnell zugeschoben, da müssen wir uns auch befreien können. Das soll bei uns mit einem diagonalen Ball erfolgen.» Ottmar Hitzfeld bringt also langsam aber kontinuierlich seine eigenen Ideen ein. Das Team bekommt seine Handschrift. Wann sahen wir die Schweizer Nati zuletzt mit diagonalen Bällen in die Spitze spielen? Wann ein Tempowechsel mit einem Ball durch die Mitte auf zwei Stürmer, die gestaffelt stehen?

Die Schweizer Fussball Nati wird gegen Bulgarien also mit einigen Veränderungen aufwarten. Andere taktische Grundlagen und einige überraschende Aufstellungen versprechen viele Aufschlüsse. So gesehen ist die Generalprobe gegen Bulgarien dann also doch noch ein Testspiel.

Bei 20 Minuten Online sind Sie mit dem Live-Ticker ab 20.30 Uhr hautnah am Ball.

(gwl)

Hitzfeld präsentiert Bulgarien

«Die Bulgaren haben in der letzten Zeit keine so guten Resultate erreichen können und haben auch den Trainer gewechselt. Dennoch sind sie in der Lage, jederzeit spielerische Akzente zu setzen. Ihr Fussball ist technisch stark und auch bei den Standardsituationen müssen wir aufpassen. Dimitar Berbatov ist ein Weltklassespieler, aber das ist auch gut für uns, denn so werden wir in der Innenverteidigung mit Senderos und Grichting gefordert werden.»

Deshalb gilt: «Wir dürfen diese Mannschaft nicht spielen lassen. Wir müssen sehr aggressiv auftreten und sehr viel Laufbereitschaft mitbringen, wenn wir den Gegner auch kontrollieren wollen, was unser Ziel ist. Hinten sind die Bulgaren jedoch anfällig. Sie begehen immer wieder Stellungsfehler, nicht nur in der Abwehr selbst, sondern auch schon im Mittelfeld. Diese Fehler müssen wir mit schnellem Spiel immer wieder forcieren.»

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