«Generation hohle Hand»: Sozialhilfe wird vererbt

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«Generation hohle Hand»: Sozialhilfe wird vererbt

Den Ämtern bereiten junge Sozialhilfeempfänger zunehmend Bauchweh. Jugendliche, die mit Sozialhilfe aufwachsen, halten die Unterstützung für selbstverständlich, warnt ein Experte.

«Wir haben es mit einer neuen Generation von Sozialhilfeempfängern zu tun, die von ihren Eltern her kein Erwerbsleben kennen und für die die Sozialhilfeunterstützung zur Selbstverständlichkeit geworden ist», sagt Stefan Risi. Er ist Case-Manager beim Amt für AHV und IV und organisiert derzeit das erste Thurgauer Sozialforum. Laut Risi gibt es noch keine Zahlen zur Generationenweitergabe. Aber: «Dass dieses Phänomen zunimmt, ist unbestritten», so Risi.

Dies wird auch bei der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe bestätigt. «Man spricht von einer Vererbung der Sozialhilfe», sagt Geschäftsführer Ueli Tecklenburg. Zwar hätten Sozialhilfekinder oft generell schlechtere Chancen. Für viele Junge sei es heute aber auch selbstverständlich, aufs Sozialamt zu gehen.

Beim Sozialdienst Frauenfeld beobachtet man die Vererbung der Bedürftigkeit hautnah: Manche Eltern würden eine bestimmte Werthaltung an die Kinder weitergeben, sagt Leiterin Anneliese Zingg. «Diese Kinder werden durch den Empfang der Sozialhilfe geprägt.» Ein Teil schaffe darum den Ausstieg nie, so Zingg.

Annette Hirschberg

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